Seenprogramm bei "Gläserner Produktion" im Bodenseekreis

Am 6.9.2015 hat sich das Seenprogramm mit einem Informationsstand auf dem Apfelwandertag Ettenkirch präsentiert, der im Rahmen der Aktion „Gläserne Produktion“ der Landwirtschaft großen Anklang gefunden hat.

 

Fortsetzung des Seenprogramms für weitere fünf Jahre

Ravensburg, Juli 2015

Im Rahmen eines Festaktes wurde das Aktionsprogramm zur Sanierung oberschwäbischer Seen im Neuen Schloss von Kißlegg am 1. Juli 2015 für weitere fünf Jahre fortgeschrieben.

Dabei wurde eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung zwischen dem Land Baden-Württemberg, den Landkreisen Biberach, Bodenseekreis, Ravensburg, Sigmaringen und 45 Kommunalverwaltungen getroffen.
In ihr wird die Zusammenarbeit geregelt, um die Betreuung von künftig 93 Seen und Weihern sowie die Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen festzusetzen.

 

 

Hitze und Trockenheit machen den Seen und Weihern oberschwabens zu schaffen

 

Ravensburg, Juli 2015

Die letzten Tage und Wochen mit ihrer großen Hitze und den fehlenden Niederschlägen machen den Seen und Weihern Oberschwabens und ihrer Tier- und Pflanzenwelt zu schaffen.

 

Hohe Wassertemperaturen (bis zu 30°C) setzen in den Seen und Weihern Prozesse in Gang, welche vor allem Fische belasten, vor allem die Fischbrut.

Zu diesem Wärmestress kommen bei flachen Seen und Weihern noch stark schwankende Sauerstoffgehalte im Wasser im Wechsel von Tag und Nacht. Diese entstehen dadurch, dass

Pflanzen oder Algen Nährstoffe aufnehmen und in ihrer gesamten Biomasse an Umfang zunehmen. Bei Tag geben diese dann bei der Fotosynthese Sauerstoff an das umgebende Wasser ab. 

Während der Nachtstunden dreht sich der Prozess um und diese Algen und Wasserpflanzen verbrauchen Sauerstoff aus dem Wasser. Dies kann so gravierend sein, dass nahezu der gesamte im Wasser gelöste Sauerstoff schwindet. Darunter haben dann vor allem  Fische zu lleiden, und es kann in extremen Fällen zu einem Massensterben kommen.

 

Während heißer, sonnenreicher Tage kommt noch ein weiterer Stressfaktor hinzu.

Algen und viele höhere Wasserpflanzen nutzen nicht nur das Kohlendioxid, das aus der Atmosphäre in das Wasser eindiffundiert, sondern auch teilweise das, welches in gelösten Hydrogenkarbonaten enthalten ist.

Dazu importieren die Pflanzen- oder Algenzellen negativ geladene Hydrogenkarbonat-Ionen und schleusen, um die elektrische Neutralität in ihrer Umgebung wieder herzustellen, negativ geladene OH--Ionen in das Wasser aus. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer Ionenaustauschreaktion.
Zwei Hydrogenkarbonat-Ionen wird in den Zellen ein Molekül Kohlendioxid für die Fotosynthese entzogen. Dabei entsteht ein negativ geladenes Karbonat-Ion. Das verbindet sich mit einem positiv geladenen Calcium-Ion zu einem schwer löslichen Calciumkarbonat-Molekül, das aus der Zelle ausgeschieden wird. Diesen Vorgang bezeichnet man als biogene Entkalkung. Der so entstandene Kalk reichert sich unter anderem an der Unterseite von Seerosenblätter an.
Problematisch bei der biogenen Entkalkung ist, dass mit der Anreicherung von OH--Ionen im Wasser der pH-Wert ansteigt.

Im Rohrsee wurde im heißen Sommer 2015 ein pH-Wert von 9,8 bei einer Wassertemperatur von 31°C gemessen. Dies entspricht fast der Beschaffenheit einer Seifenlauge.

Von Angelfischern wurde mitgeteilt, dass in einigen Seen und Weihern Spezies der Gattung Myriophyllum in Massen aufträten. Man kann darüber spekulieren, ob dies mit den  gegenwärtig feststellbaren Klimaveränderungen zusammenhängt.

 

Viele Seen und Weiher in Oberschwaben bewegen sich, was die Ausprägung ihrer Floren anbelangt, auf einer Grenzlinie zwischen makrophyten- und algendominierten Gewässern. Es gibt Hinweise dafür, dass die Festlegung, ob sich ein See oder Weiher zu einem makrophyten- oder zue einem algendominierten Gewässer bewegt, im Frühjahr erfolgt. Zu diesem Zeitpunkt hat entweder die Makrophyten- oder die Algenflora die Nase vorn. In den Monaten Mai, Juni und teilweise auch Juli gab es starke Niederschläge. Diese könnten dazu geführt haben, dass aufgrund des stärkeren Durchflusses in den Seen und Weihern die Algenfloren durch Ausspülung immer wieder ausgedünnt wurden, so dass sie im Konkurrenzkampf mit den Makrophyten unterlagen.

 

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