Luftbild (© Luftbildagentur Frank Hofmann), Tiefenkarte und Ausschnitt topografische Karte (das hydrologische Einzugsgebiet des Buchsees ist rot umrandet)

Buchsee

seit 1989 im SOS

Gemeinde Fronreute, Lk. RV TK 8123

Schutzstatus: NSG („Dornacher Ried mit Häckler Ried“; seit 1937; 151 ha), FFH, VSG, § 33-Biotop

Eigentümer: Land Ba.-Wü, Forstamt Ravensburg Pächter: Hr. Köberle

Landwirtschaftliche Struktur im Einzugsgebiet (Stand 2016):

Wald

Grünland

Ackerland

Wohnbebauung

Buchsee direkt

30 %

40 %

30 %


einschl. Häcklerwhr

70 %

10 %

15 %

5 %

 

Untersuchungen des Buchsees:

untersucht von

Jahr

Gegenstand

untersucht von

Jahr

Gegenstand

Uni Hoh.(Zintz)

1981-83

Limnologie, Fische

ISF

1995

Algentoxine

Uni Tü (Herz)

1990-91

Limnologie

GWD RV

1999

Limnologie

Uni Gött. (Wolf)

1991

Sedimentgeschichte

RPTÜ RV

2005

Limnologie

FFS (Dehus)

1990-94

Fischbestand

RPTÜ RV

2011

Limnologie

Uni Tü (Messersch)

1993-94

Limnologie

RPTÜ RV

2016

Limnologie

 

Entstehung: gegen Ende der letzten Eiszeit vor 16 000 Jahren in einem Toteisloch

Bewirtschaftung: extensive Angelfischerei; zwischen 1950er und Mitte 1980er Jahre sehr starker Schlamm- und Nährstoffeintrag aus dem Häcklerweiher (dort intensive Fischhaltung) in den Buchsee; hierdurch am Seegrund viele Meter dicke Schlammschicht; ufernah jedes Jahr ein Sommerferienlager; bei starken Blaualgenblüten sollten zum Schutz der Kinder Hinweisschilder aufgestellt oder zumindest Badehinweise geben werden; Campingnutzung wird zukünftig evtl. ausgeweitet (2012)

Hydrologische Daten: Aufenthaltszeit 0,1 Jahre

EZG

Wasserfläche

max. Tiefe

mittlere Tiefe

Volumen

(211 H + 35) 246 ha

6,7 ha

1,7 m

1,1 m

76 400 m3

Zulauf (7,2 l/sec) kommt aus dem Häcklerweiher; erheblicher Grundwasserzustrom

Ablauf über Schreckensee, Hühler Ach in die Schussen

 

Wassermengen (über Messwehre 1986-88):

Ablauf Häcklerweiher

301 000 m3/Jahr

Ablauf Buchsee (vor Schreckensee)

823 000 m3/Jahr

 

Sediment: bis zu 13m Faulschlamm; 1991 Pges 3,4 mg/g TS, Wassergehalt 94%, Glühverlust 59%; 1994 Pges 1,5 mg/g TS, Wassergehalt 95%, Glühverlust 40%; 2006 am Steg Pges 0,42 mg/g TS, Glühverlust 19%


Flora und Fauna / Daten Wasserchemie: Blaualgenblüten;

Frühjahr

Sommer

Herbst

1990

Ankyra ancora

Ankyra anc., Aphanizo. fl.

Aphanizomenon flos-aquae

1991

Ankyra ancora

Anab.flos.,-sphaerica,-solit.

Anab.sph., Microcystis, Diatomeen

1993

Cryptophy.,Microcystis

Anab.sph. u.a. Cyanophy.

Microcystis aer., Cryptophyceen

1994

Microcy., Gomph.naeg

Anab.sph. u.a. Cyanophy.

Cyanophyceen, Synura uvella

 

Phytoplankton 2012:

März

April

Mai

Juni

Ulothrix, Synedra

Synura, Mallomonas, Ulothrix

Ulothrix, Microcystis

Ulothrix, Microcystis

 

 

 

Juli

August

September

Oktober

Ulothrix, Microcys.

Ulothrix, Microcystis

Anab.,Oscill.agar.,Micro

Oscill.,Anabaena,Microcys

 

1980er Nymph. alba, Nuphar lutea; 1990 Nymph. alba, Nuphar lutea, Nitella translucens (Characeen); 2004 und 2011 Nymphaea alba, Nuphar lutea (Herz);

Fische 1968 Besatz mit 68 Graskarpfen; mehrmals Fischsterben (z.B. 1989, 1999)

1990-94: Rotfeder, Rotauge, Karpfen, Hecht, Wels, Giebel, Aal, Schleie, Sonnenbarsch (vor 1989 noch Ukelei u. Brachse); 2000 auch Zander, Brachse


Im Frühjahr 1989 großes Fischsterben (Entnahme von 2 t toter Fisch

1990 TP max (385 µg/l) im September, Chloro max im Oktober; immer Sauerstoffdefizit (bis 30 %); pH bis 8,0; sehr viel Daphnia pulex pulex; daher nur geringes Phytoplankton, niedrige O2- und pH-Schwankungen, starkes Makrophytenwachstum (Characee Nitella translucens)

1991 TP max (214 µg/l) und Chloro max im Sept; Sauerstoffübersättigung bis 220 %; im August pH 9,5; aufgrund der wieder stark angestiegenen Fischpopulation das frühere Bild: Blaualgenblüte, geringe Sichttiefe, starke O2- und pH-Schwankungen sowie Absterben der Makrophyten

1992 Versuch, den Häcklerweiher langsam abzulassen (Schutz des Buchsees), um ihn zu Wintern; Aufgrund starker Regenfälle nur teilabgelassen; zum Wiederauffüllen war der Mönch zum Buchsee hin 1993 meist geschlossen (sehr schlecht für Buchsee)

1994 TP max (150 µg/l), Chloro max, Sauerstoffübersättigung 186 % und Sicht 0,2 m im August; oft aber Sauerstoffdefizit; von Mai bis Aug hoher P im Zulauf (im Mai 260 µg TP/l, 119 µg o-PO4-P/l); im Herbst Häcklerweiher erneut abgelassen, wobei wieder deutlicher Schlammeintrag in Buchsee

1999 TP max (198 µg/l) und Chlor max im November; immer Zehrung überwiegend; pH bis 7,9;

2005 TP max (142 µg/l) und Chlor max im Sept, massive Algenblüte (Anabaena); Sauerstoffübersättigung bis 126 %, aber oft auch Defizit; pH bis 8,2; Absetzbecken funktioniert gut; im Winter 2005/06 vom Pächter mit Kompressor über Wochen Luft unter Eisdecke gepumpt, um Fischsterben zu verhindern

2007 im Frühj. Algenblüte (Spirogyra), die durch freiw. Feuerwehr mittels Ölwehren teilw. abgezogen wurde

2011 TP max (146 µg/l) und Chloro max (822 µg/l, Anabaena sphaerica) im Juli bei 0,25 m Sichttiefe und pH 9,18; Sauerstoffübersättigung bis 125 %, in mehreren Monaten Sauerstoffdefizit (46 % im Februar); ganzjährig Blaualgen, in den Sommermonaten starke Blüten (Anabaena, Microcystis, Oscillatoria); Daphnien?


Pflanzennährstoffe und andere Trophieanzeiger im Jahresdurchschnitt


1990

Trophiest.

1991

Trophiestufe

1993

1994

Trophiest.

anorg.Gesamt-Stickstoff(mg/l)

1,26


0,49


0,46

0,55


Gesamt-PO4-Phosphor (µg/l)

165

eu-/hypertr.

99

eutroph

210

98

eu-/hypertr.

Chlorophyll a (µg/l)

5,6

mesotroph

48

hoch eutroph

141

81

hypertroph

Chlorophyll a - Spitze (µg/l)

13

mesotroph

154

hoch eutroph

444

244

hypertroph

Sichttiefe (m)

>1,7


0,9

hoch eutroph

0,3

0,4

hypertroph

 

 


1999

2005**

2011

Trophiestufe

anorg. Gesamt-Stickstoff (mg/l)

0,30

0,20

0,66


Gesamt-PO4-Phosphor (µg/l)

97

113

89

eutroph

Chlorophyll a (µg/l)

41

152

149

hypertroph

Chlorophyll a - Spitze (µg/l)

183

416

822

hypertroph

Sichttiefe (m)

0,7

0,7

0,6

eu-/hypertroph

 

** nur 5 Messungen

Trophiestufe: 1991 polytroph, p1 / 1993 hypertroph, h / 1994, 1999, 2005, 2011 polytroph, p2  

Veränderungen in den letzten Jahren
Bis Mitte der 1980er Jahre sehr starker Schlamm- und Nährstoffeintrag aus dem Häcklerweiher (intensive Fischhaltung). Der Eintrag über den Zulauf ist inzwischen deutlich vermindert, liegt jedoch immer noch zu hoch. Hinzu kommen Einträge aus dem landwirtschaftlich genutzten Niedermoorbereich im direkten Umfeld. Ein weiteres Problem stellen heute die seit den 1950er Jahren im Schlamm abgelagerten Nährstoffe dar.

Belastungsquellen

– intensive Fischhaltung im Häcklerweiher: bis 1964 Düngung mit Superphosphat; bis 1986 intensive Fischzucht (so 1982: 14 t Futtermittel; Abwassermenge am Ende der Fütterungsperiode ca. 450 EGW (Zintz))

– große Mengen an nährstoffreichem Schlamm beim Ablassen des Häcklerweihers

– Buchseehof ohne Kläranlagenanschluss

– 1993 in Drainage seitlich am Hof im Mittel 0,42mg NH4-N/l, 368µg o-PO4-P/l, 827µg TP/l;

– zahlreiche entwässerte Niedermoorflächen; Ackerfläche in Hanglage

– geringer Badebetrieb, Ferienlager mit Zelten

Vorschläge zur Sanierung/Restaurierung

– Verminderung des Schlammeintrags über den Häcklerweiherablauf

– Pumpendruckleitung für den Buchseehof zur nächsten Kläranlage

– Extensivierung kritischer Flächen; Beseitigung punktueller Belastungsquellen

– Umsetzung des Pflegeplans des RPTÜbingen; Buchsee etwas höher stauen


Umsetzung / Maßnahmen

Abwasser

– 2002 Anschluss des Buchseehofs in Zusammenhang mit Radwegbau (B32) und Herstellung einer Anschlussmöglichkeit für WC auf Häcklerweiher-Parkplatz

Landwirtschaft

– 1993 agrarstrukt. Vorplanung für die Gemeinde Fronreute durch die Landsiedlung GmbH

– 1995 Extensivierungsplanung für die landw. genutzten Flächen im EZG (Trautmann)

– Beratung der Landwirte im Hinblick auf eine Verminderung der Nährstoffausträge aus den landwirtschaftlich genutzten Flächen

– 2014 Aufgabe der Milchviehhaltung im Buchseehof; auf den Grünlandflächen westlich des Buchsees evtl. ökologische Maßnahmen möglich

– extensivierte Flächen:

Jahr

Hektar

Kosten

Jahr

Hektar

Kosten

Jahr

Hektar

Kosten

1989-2014

0


2015

6,1

1815 €




 

 

Fischerei

– 1994 Besatz mit 20 000 jungen Zandern zur Biomanipulation, die jedoch ein ½ Jahr später zum Großteil wieder verschwunden waren (Dehus); daher erfolglos

Renaturierung

– Pflegeplan des RPTÜbingen wird umgesetzt; 2001 Entbuschung an der SW-Ecke

– 1993 Gewässerentwicklungsplan (Klose/Schmidt-Hitschler, Vaihingen)

– 2002-07 Buchsee im EU-LIFE-Projekt „Lebensraumoptimierung Blitz. Seenplatte“; in diesem Rahmen ab 2005 Bachrenat. und Wiedervernässungen im Dornach. Ried

– 2001-03 Pflegemaßnahmen im Verlandungsbereich durch Landwirt; Entbuschung am Westufer, anschließend Pflege durch Forstmähraupe

– 2003 neuer Gewässerentwicklungsplan, ausgerichtet auf LIFE-Projektmaßnahmen

Sonstiges

 

– 1999 Bau von Schlammabsetzbecken (600 m3; 43 000 €) zw. Häcklerwhr und Buchsee mit Umleitungsbauwerk; Ablauf mündet in Buchseeablauf; 1999 erstmals über Becken abgelassen; ca. 550 m3 abgesetzter Schlamm mit Pges von 0,94 mg/kg TS, Glühverlust 54 %; Räumungskosten 2.000 – 4.000 €

Letzte redaktionellen Änderungen Mai 2016