Luftbild (© Luftbildagentur Frank Hofmann), Tiefenkarte und Ausschnitt topografische Karte (das hydrologische Einzugsgebiet ist rot umrandet)

Appenweiler Weiher

seit 2000 im SOS

Stadt Friedrichshafen, Bodenseekreis TK 8223

am Einzugsgebiet zusätzlich beteiligt: Ravensburg

Schutzstatus: teilweise § 33-Biotop; (ND geplant)

Eigentümer: Hermann Strauss (uh. gelegener Hof mit Mühle)

Pächter: seit 2004 Fischereiverein Meckenbeuren-Kehlen

Landwirtschaftliche Struktur im Einzugsgebiet (Stand 2016):

Wald

Grünland

Ackerland

Sonderkulturen

Wohnbebauung

5 %

25 %

45 %

20 % (Obst)

5 %

Untersuchungen am Appenweiler Weiher:

untersucht von

Jahr

Gegenstand

unters. von

Jahr

Gegenstand

Wurm (Vorunters.)

2000 (6x)

nur Zu-/Ablauf; abgel.

Wurm

2009

Limnologie

Wurm

2002

Limnologie

Wurm

2015

Limnologie

GWD RV

2004

Zulauf

 

 

 

Literatur: LfU 1994, LRA Bodenseekreis 1987, Prinzinger 1991/99

Entstehung: angelegt vermutlich im 15. Jahrhundert

Bewirtschaftung: Damm am Nordufer mit Regulierwehr; Grundablass und Mönch; Aufzucht von Karpfen, Schleien; Ende der 1970 Kalkung mit Branntkalk; früher 6-7 t/Jahr Zufütterung; Besatz mit einsömmrigen Tieren, im Folgejahr Abfischen (ca. 3 t/a); Belüftungsanlage für Spätsommer von 1980 bis 1995; 1992-2000 jährlich abgelassen; 2000 bis Februar 02 Weiher nicht bespannt wg. Dammschäden; 2003 abgelassen (im Frühjahr wg. Lieferung von Fischen an Ellerazhofer Weiher; nachteilig auch für Amphibien; zukünftig wieder im Herbst);
ab 2003 angelfisch. Nutzung und Ablassen alle 6-7 Jahre (weiteren Hälterweiher organisiert); 2008 abgelassen, Probleme wg. großer Fischmenge (600 kg Karpfen (270), 100 kg Hecht (45), 40 kg Schleie (45), 30 kg Zander (18), 10 kg Barsch (20), 4 kg Wels (2), 2500 kg Weißfische/Kleinfische); 2013 abgelassen und gewintert (Karpfen (149), Hecht (4), Schleie (147), Zander (92), Barsch (22), Aal (2);

Hydrologische Daten:

EZG

Wasserfläche

max. Tiefe

mittlere Tiefe

Volumen

263 ha

2,2 ha

5,5 m

2,1 m

45 700 m3

Zulauf Bach aus Süden

Ablauf über ein Regulierwehr in den Mühlbach, Schussen

Sediment: 2000 Pges 1,6 mg/g TS, Glühverlust 11%;

Flora und Fauna/Daten Wasserchemie: Verlandungsbereiche im W, O, S als Feuchtgebiet ausgewiesen; 2000 bis Anfang 2002 während Trockenphase (2 Jahre) starker Weidenwuchs im Weiher; Pflanzenmaterial wurde vor dem Wiederbespannen nur in Teilbereichen entfernt; Teichmuschel;
1979-82 viel Wasserlinsen; in den 1980er Nymphaea alba, Nuphar lutea, Poly. amphibium; 2002 Nuphar lutea, Mentha aquatica, Polygonum amphibium (Wurm); 2004 Nuphar lutea, Lemna minor (Herz); 2009/2015 Nuphar lutea (Phillipson/Herz);

Fische: Karpfen, Rotauge, Rotfeder, Hecht, Schleie, Zander, Barsch, Wels, Aal; 2008 auch Graskarpfen

Vögel: Zwergtaucher, Blässralle, Teichrohrsänger, Rohrammer, Kolbenente, Reiherente
2008 keine Enten, kaum Amphibien

2002 TP max (485 µg TP/l; 132 µg o-PO4-P/l) und Chloro max im Juli; Sauerstoffübersättigung bis 167 %; im Juli ab 2 m anaerob, ab 3,5 m H2S; am Grund starke Nährstoffanreicherung (608 µg o-PO4-P/l, 2280 µg TP/l);
2009 TP max (221 µg/l) im August, Chloro max im Juli; Sauerstoffübersättigung bis 282 %; anaerob im Juli ab 3,7 m, im August ab 2,1 m; am Grund Nährstoffanreicherung (102 µg o- PO4-P/l, 987 µg TP/l, 3,0 mg NH4-N/l); Umwälzung im September; fast ganzjährig Algenblüten (coccale µ-Blaualgen u.a.); keine Daphnien (Fischbestand?);
2015 TP max (197/180 µg/l) in Juli und August, Chloro max im Juni; Sauerstoffübersättigung bis
219 %; pH bis 8,4; anaerob im Juli ab 1,9 m, im August ab 2,7 m; am Grund Nährstoffanreicherung (40 µg o- PO4-P/l, 966 µg TP/l, 3,34 mg NH4-N/l); im Juni und Juli Chlorophyceen (Coelastrum, Scenedesmus), im August Euglenophyceen (Euglena acus) und Blaualgen (µ-Algen); keine großen Daphnien, vereinzelt D. cucullata und Ceriodaphnia;

Pflanzennährstoffe und andere Trophieanzeiger im Jahresdurchschnitt:

(P- und N-Mittelwerte wenn möglich einschließlich Tiefenwasser; erfasst besser die Gesamtsituation)

 

2002*

2009

Trophiestufe

2015

Trophiestufe

anorg. Gesamt-Stickstoff (mg/l)

2,47

0,47

 

0,82

 

Gesamt-PO4-Phosphor (µg/l)

172

159

eu-/hypertroph

132

hoch eutroph

Chlorophyll a (µg/l)

35

69

hoch eutroph

91

eu-/hypertroph

Chlorophyll a - Spitze (µg/l)

104

107

hoch eutroph

178

eu-/hypertroph

Sichttiefe (m)

0,9

0,6

eu-/hypertroph

0,7

eu-/hypertroph

*nur Oberflächenwasser

Trophiestufe: 2002, 2009 und 2015 polytroph, p1

Phosphorgehalt nur Oberflächenwasser:

 

2002

2009

2015

Gesamt-PO4-Phosphor (µg/l)

172

145

118

Belastungsquellen
– Bettenweiler, Batzenweiler, Ellenweiler, Rosengarten, Teile von Lehhorn und Lempfriedsweiler im EZG; Rosengarten angeschlossen; Batzenweiler (32 E nicht angeschl., davon 20 geschlossene Grube und 12 3-Kammer), Ellenweiler (16 E nicht angeschl., mit 3-Kammer), Lempfriedsweiler (24 E nicht angeschl., davon 4 Biogas, 4 3-Kammer, 12 biol. KKA und 4 geschlossene Grube); insgesamt 72 Einw. noch nicht angeschl., Pumpendruckleitung liegt vor (Stand 1999/2002)
– Bereich um Zulauf intensiv landwirtschaftlich genutzt, Äcker bis an Bach
– hohe o-PO4-Phosphor- und Gesamtphosphor-Konzentrationen im Zulauf; stark veralgt
– früher Fütterung mit 6-7 t/Jahr; über viele Jahre im Herbst belüftet; Wassertrübung auch durch Karpfen (Schlammaufwirbelung mit Nährstofffreisetzung)
– geringer Badebetrieb

Vorschläge zur Sanierung/Restaurierung
– zentraler Abwasseranschluss; Suche und Beseitigung der Punktbelastungen
– Extensivierung kritischer landwirtschaftlich genutzter Flächen
– Änderung der Bewirtschaftung des Weihers; Ablassen im Herbst (u.a. wg. Erdkröten); Entnahme der Graskarpfen (2008 welche vorhanden)
– Renaturierung des Zulaufs, Aktivierung eines ehemaligen Weihers im Zulauf

Umsetzung / Maßnahmen

Abwasser
– bis 2003 Anschluss der meisten Teilorte/Einzelanwesen;
– 2009 bei Quellensuche hohe Belastung aus Lempfriedsweiler und Batzenweiler festgestellt (s. Extraplan); LRA Bodenseekreis mit Kanalkamera dem nachgegangen; Punktbelastungen aus Fahrsilo (Sickersäfte) und Melkkammer festgestellt und beseitigt; Feb 2011 bei Lempfriedsweiler erneut Abwasserpilz und Einträge in Löschteich; 2016 weitere Quellensuche von SOS und Stadt FN geplant

Landwirtschaft
– 2000 Extensivierungsplanung für die landw. genutzten Flächen im EZG (Trautmann)
– Beratung der Landwirte im Hinblick auf eine Verminderung der Nährstoffausträge aus den landwirtschaftlich genutzten Flächen
– 2001 Kauf einer an den Weiher grenzenden Ackerfläche durch die Stadt FN und Umwandlung in extensives Grünland
– extensivierte Flächen:

Jahr

Hektar

Kosten

Jahr

Hektar

Kosten

Jahr

Hektar

Kosten

2001

3,2

2.170DM

2006-11

0

 

2015

3,3

1.010 €

2002-05

3,2

1.110 €

2012-14

1,9

750 €

 2016

 3,3

 1.400 €

Renaturierung
– 2002 Gewässerentwicklungsplan zus. mit Unterweiher durch Büro Weyhmüller, Tettnang
– geplant im Zulaufbereich Wiederanstau von ehemaligem Weiher als Absetzbecken und Laichbiotop; Stadt FN möchte das Gebiet als Naturdenkmal ausweisen

Sonstiges
– 2002 fischereiliches Bewirtschaftungskonzept (Phillipson)
– 2003 Änderung der fischereilichen Bewirtschaftung, Verpachtung an Angelverein

 

Letzte redaktionelle Änderungen Jan 2017