Luftbild (© Luftbildagentur Frank Hofmann), Tiefenkarte und Ausschnitt topografische Karte (das hydrologische Einzugsgebiet ist rot umrandet)

Andelshofer Weiher (Neuweiher)

seit 1989 im SOS

Stadt Überlingen, Bodenseekreis TK 8221, 8121, 8120, 8220

am Einzugsgebiet zusätzlich beteiligt: Owingen

Schutzstatus: LSG, FFH, § 33-Biotop

Eigentümer: Stadtwerke Überlingen (SWÜ) Pächter: Sport-Angler-Verein Überlingen

Landwirtschaftliche Struktur im Einzugsgebiet (Stand 2016):

Wald

Grünland

Ackerland

Sonderkulturen

Wohnbebauung

25 %

25 %

35 %

5 %

10 %

Untersuchungen des Andelshofer Weihers:

untersucht von

Jahr

Gegenstand

untersucht von

Jahr

Gegenstand

RP (Konrad)

1988

Fischbestand

Wurm

2010

Limnologie

GWD RV

1997-99

Limnologie

Wurm

2015

Limnologie

Wurm

2004

Limnologie

 

 

 

Entstehung: vor 1930 angelegt zur Energiegewinnung; Wasserkraftwerk angeschlossen

Bewirtschaftung: Angelfischerei; 1995-99 Fangertrag 42,4 kg/ha*a bei Besatz von 38,4 kg/ha*a; wann das letzte Mal vollständig abgelassen ist unbekannt, ein Ablassen nicht geplant; Abfischen im Oktober 2001 mit 1518 kg (824 kg Karpfen); Leerlaufschieber; Mönch

Hydrologische Daten: starke Wasserstandsschwankungen, da genutzt zur Energiegewinnung; zu seinem direkten Einzugsgebiet kommt noch das EZG des Auenbachs hinzu, der den Weiher über einen unterirdischen Kanal speist

EZG

Wasserfläche

max. Tiefe

mittlere Tiefe

Volumen

931 (111) ha

32,3 ha

5,3 m

3,4 m

1 093 000 m3

Zulauf: mehrere Gräben sowie über unterirdischen Kanal aus dem Auenbach von Owingen

Ablauf: unterirdisch zum Wasserkraftwerk

 

Flora und Fauna/Daten Wasserchemie: Teichmuschel (Anodonta cygnea);
1987 Pot. lucens, - crispus, - trichoides, Ran. circinatus, Poly. amphibium, Callitriche sp.; 2004 Nymph. alba, Pot. lucens, - pectinatus, - crispus, - pusillus, Ran. circinatus, Polygonum amphibium, Najas minor, - marina, Characeae, Myrio. spicatum, Hippuris v. (Wurm); 2010 Nymph. alba, Pot. lucens, - pectinatus, - crispus, - berchtoldii, Myrio. spicatum, Ran. circinatus, Najas minor, Chara tomentosa, Elodea canadensis (Herz); 2015 Nymphaea alba, Potamogeton lucens, - pectinatus, - crispus, - berchtoldii, Ranunculus circinatus, Najas minor, Chara tomentosa, Hippuris vulgaris (Herz);

Fische 1988: Karpfen, Rotauge, Hecht, Barsch, Schleie, Brachse, Aal, Zander, Rotfeder, Wels; 2000 auch Regenbogenforelle, Moderlieschen, Bitterling

Vögel: wichtiger Rastplatz und Lebensraum; 7 Rote Liste-Arten brüten hier; Kormorane von Herbst bis April (manchmal über 100 Tiere); Ursache der fehlenden Jungfische nicht die Kormorane, sondern die Wasserstandschwankungen während Laichzeit sowie der sehr hohe Karpfenbesatz (FFS, Dehus 2000)

1997 TP max (82 µg/l) im Sept, Chloro max im Juli; Sauerstoffübersättigung bis 151 %; pH bis 8,6

1998 TP max (74 µg/l) und Chloro max im Sept; Sauerstoffübersättigung bis 148 %; pH bis 8,5

2004 TP max (59 µg/l) und Chloro max im Okt; Sauerstoffübersättigung bis 169 %; im Juli und Sept ab 4 m anaerob; zirkuliert immer wieder (windexponiert); am Grund Nährstoffanreicherung (im Juli 35 µg o-PO4-P/l, 201 µg TP/l); Cryptomonas, Ceratium, Chrysophyc., Pseudanab.; Daphnia long.

2010 im Frühjahr P und Algenentwicklung sehr gering; große Daphnien (D. longispina) bis Juli, danach keine (Fische?); TP max (72 µg/l) und Chloro max im Sept (evtl. coccale Blaualgen wie im Monat davor); Sauerstoffübersättigung bis 156 %; Sauerstoff immer knapp (minimal 1,7 %) bis Grund, Nährstoffanreicherung gering (im Juli 89 µg TP/l); Weiher in diesem Sommer wegen Wartungsarbeiten am Damm um 1 m abgesenkt (P am Grund bei normalem Wasserstand vermutlich höher)

2015 TP max (68 µg/l) und Chloro max im Aug; Sauerstoffübersättigung bis 156 %; nur im Juli über Grund Sauerstoffzehrung (6 %), und leichte Nährstoffanreicherung (88 µg TP/l); bis Juni (und etwas im Juli) Daphnia longispina, D. cucullata u. wenig Phytoplankton; im Aug Blaualgen (µ-Algen, etwas Anabaena) und Chrysoflagellaten; hoher P-Eintrag im Nov (v.a. Bodenabschwemm. bei Owingen)

Pflanzennährstoffe und andere Trophieanzeiger im Jahresdurchschnitt:

(P- und N-Mittelwerte wenn möglich einschließlich Tiefenwasser; erfasst besser die Gesamtsituation)

 

1997*

1998*

2004

2010**

2015

Trophiestufe

anorg. Gesamt-Stickstoff (mg/l)

0,54

0,49

0,23

0,28

0,36

 

Gesamt-PO4-Phosphor (µg/l)

42

50

53

46

40

eutroph

Chlorophyll a (µg/l)

10

15

16

25

11

eutroph

Chlorophyll a - Spitze (µg/l)

28

35

30

44

33

eutroph

Sichttiefe (m)

2,8

2,0

2,0

1,5

2,4

eutroph

* nur Oberflächenwasser; ** in diesem Jahr um 1 m abgesenkt wegen Dammreparatur;

Trophiestufe: 1997, 1998 und 2004 eutroph, e1; 2010 eutroph, e2; 2015 eutroph, e1

Phosphorgehalt nur Oberflächenwasser:

 

1997

1998

2004

2010

2015

Gesamt-PO4-Phosphor (µg/l)

42

50

48

44

37

 Belastungsquellen
– 1 Teilort (Weiherhöfe; 21 Einw.) und mehrere Einzelgehöfte (ca. 78 Einw.) bei Owingen ohne Kläranlagenanschluss (Stand 1991)
– Fehlanschlüsse im Bereich Owingen (auch noch 2014; verdolt); RÜB zu klein;
Untersuchung am Mühlbach Okt. 2004: Mühlbach uh. Austritt aus der Verdolung am Anfang von Owingen noch wenig P (12 µg o-PO4-P/l); Belastung nimmt zu, und steigt durch Einleitung linksseitiger Verdolung (124 µg o-PO4-P/l) deutlich an (75 µg o-PO4-P/l)
Untersuchung 2010: Ortsbach vor Owingen wenig P; am südl. Ortsrand von Owingen (M5) bereits immer hoher P-Gehalt; rechtsseitig einmündende Verdolung (M9) viel P; höchster P-Gehalt in linksseitig einmündender Verdolung (M11; evtl. Einmündung des Heimbaches); Heimbach (größter Zufluss des Mühlbachs) obh. Owingen meist nur mäßig belastet, im Schacht am Ortseingang (M4) bereits Abwassereintrag feststellbar.
Untersuchung 2012 (Wurm): im Ortsbereich evtl. im Untergrund P-haltige Ablagerungen; sobald eine Baugrube ausgehoben wird, kommt es aufgrund des Sauerstoffzutritts zu einer P-Freisetzung, welche den P-Gehalt in einem Seitenast des Zulaufs ansteigen lässt; ob dieser Seitenast umgeleitet werden kann, wird überprüft.
– punktuelle Einträge in Weiher; so z.B. 2014/15 Abwasserpilz uh landwirtschaftl. Anwesen
– von landwirtschaftlich genutztem Grünland umgeben; oft Hanglage (z.T. Ackerbau)
– 2008 Intensivobst auf früher extensiven Ackerfläche an Bach

Vorschläge zur Sanierung/Restaurierung
– zentraler Abwasseranschluss; Bau eines RÜB; nach Untersuchungen von 2004 und 2010 Hauptproblem Phosphoreinträge im Ortsbereich Owingen (Landwirtschaft weniger)
– Extensivierung kritischer landwirtschaftlich genutzter Flächen
– Renaturierung der Zuflüsse
– 2015/16 zunehmender Makrophytenbestand auch um die Angelstege; kann im direkten Umfeld der Stege entnommen werden
– Uferpflege am Weiher

Umsetzung / Maßnahmen

Abwasser
– 1996 Anschluss von Haslerhof, Geigerhaus, Steigle, Weiherhöfe, Fitzenhaus, Simonshof, Feiler, Lugenhof, Risthof, Sägewerk, Henkerberg (ca. 76 Einw.)
– Hackenhaus (3-Kammergrube mit Überlauf in Güllegrube; 3 Einw.)
– 1997 Bau eines zweiten RÜB in Owingen; sehr wichtig zur Entlastung des Weihers
– 2000 Anschluss von je einem Anwesen von Häuslerhof und Hohenreutehof (jeweils ein Anwesen weiterhin nicht angeschlossen; 4 bzw. 5 Einw.)
– 2005 Sonderuntersuchung zur Auffindung einer Eintragsquelle für Abwasser; 2008 Silo an einem Zulauf beseitigt
– 2010 am Mühlbach in Owingen Suche nach Abwassereinträgen (LRA BSK): Die 2004/05 festgestellte Gewässerverunreinigung durch Abwassereinleitung im Bereich P2 (Wurm 2005) im Aug 2010 nicht mehr feststellbar; der Regenüberlauf bei Flst. Nr. 572/12 in Owingen existiert inzw. nicht mehr; Fehlanschlüsse an der ehemaligen Regenentlastungsleitung nicht entdeckt; Kanalbefahrung ergab keine Auffälligkeiten; LRA geht davon aus, dass Missstände beseitigt sind; wie die Untersuchung Wurm 2010 gezeigt hat, ist dies jedoch nicht der Fall
– 2011 und 2012 weitere Suche nach Abwassereinträgen in Owingen (u.a. Wurm)

Landwirtschaft
– 1995 Extensivierungsplanung für die landw. genutzten Flächen im EZG (Trautmann)
– Beratung der Landwirte im Hinblick auf eine Verminderung der Nährstoffausträge aus den landwirtschaftlich genutzten Flächen
– extensivierte Flächen:

Jahr

Hektar

Kosten

Jahr

Hektar

Kosten

Jahr

Hektar

Kosten

1998

5,0

3.220 DM

2001-03

14,4

5.490 €

2009-12

7,8

1.980 €

1999

13,4

 

2004-07

12,4

4.700 €

2013-15

7,4

1.850 €

2000

13,4

10.340 DM

2008

11,6

 

 2016

 7,2

 2.150 €

Renaturierung
– 1998 Gewässerentwicklungsplan durch Frau Rodat, Konstanz
– Erwerb einer Fläche am Mühlbach bei Owingen
– Ausgleichsmaßn. wg. Straßenbau: Flächenaufkauf, Kleintierpassagen, Lärmschutzwall
– geplant sind Renaturierungen an Heimbach (1300 m), Ortsbach (1800 m) und Mühlbach (2000 m); noch keine Umsetzung

Sonstiges
– 3/96 Verordnung zur Regelung des Gemeingebrauchs und des Betretungsrechtes mit Einschränkungen für Badebetrieb und Fischerei (LRA Bodenseekreis)
– 2002 Uferpflegekonzept für den Weiher (Herz)

Letzte redaktionelle Änderungen Jan. 2017