Luftbild (© Luftbildagentur Frank Hofmann), Tiefenkarte und Ausschnitt topografische Karte (rot umrandet: das hydrologische Einzugsgebiet des Badsees)

Badsee

Seit 1989 im SOS
Stadt Isny, Lk. RV TK 8225 + 8226
Am Einzugsgebiet zusätzlich beteiligt: Argenbühl, Leutkirch
Schutzstatus: NSG (Badsee; seit 1991; südwestl. Bereich; 16 ha), LSG, FFH, teils § 33-Biotop
Eigentümer: Privat;  Pächter: 50 % Eigenregie, 50 % privatLandwirtschaftliche Struktur im Einzugsgebiet (Stand 2003):

Wald

Acker

Grünland

Sonderkulturen

Siedlung

50 %

5 %

40 %

5 %

 

Untersuchungen des Badsees:

untersucht von

Jahr

Gegenstand

untersucht von

Jahr

Gegenstand

ISF (Rossk.1992)

1987

Limnologie

Fürst

2004

Limnologie

LGA (Mai-August)

seit 1989*

Keime,O2,pH,Sicht

ISF

2009

Limnologie

FFS (Dehus)

1993

Fischbestand

Fürst

2010

Limnologie

GWD RV

1996 - 97

Limnologie

Fürst

2014

Limnologie

ISF

2002

Limnologie

Fürst

2015

Tiefenprofile


Entstehung
: gegen Ende der letzten Eiszeit vor ca. 16 000 Jahren

Bewirtschaftung: extensive Angelfischerei; zumindest seit 1985 kein Fischbesatz

Hydrologische Daten: 1937 max. Tiefe 7,2 m; instabil gesch.; kann um 1 m abgesenkt werden

EZG

Wasserfläche

max. Tiefe

mittlere Tiefe

Volumen

542 ha

42,5 ha

7,2 m

3,8 m

1 614 000 m3

viele Zuflüsse (u.a. Rötelbach, HZ) mit teilweise naturnahem Verlauf (105 l/sec)

Ablauf über Wiesenbach (Badseebach, Tobelbach) in die Untere Argen, Bodensee

Sediment: 1987 Wassergehalt 86%, Glühverlust 24% (org. Anteil); nährstoffreicher Schlamm

Flora und Fauna
1980er Jahre Nymphaea alba, Nuphar lutea, Myriophyllum spic., Polygonum amph.;

Frühjahr 1996

Sommer

Herbst

Chrysophyceen, Diatomeen, Ceratium hirundinella

Microcystis sp., Anabaena sp., Ceratium hirundinella

Microcystis sp., Aphanizomenon flos-aquae, Ceratium hirundinella

Blaualgenblüten (1999, 2000, 2010 und 2011 Microcystis, 2004 Oscillatoria, );
2004 Myriophyllum spicatum, Nuphar lutea, Nymphaea alba, Polygonum amphibium, Potamogeton crispus, Schoenoplectus lacustris (Herz);
2011 Ceratium hiundinella
2012 (August) Algenblüte Anabaena spec., Microcystis spec.
2015

Fische 1993: Rotauge, Brachse, Rotfeder, Barsch, Hecht, Karpfen, Schleie; Biber
2005
Hechtsterben durch Krankheit (ca 150 Stück)

Limnologische Untersuchungen
- 1987 max. pH 9,4; 1995 im August pH 9,5, Sauerstoffübersättigung 123% und 0,6 m Sichttiefe;
- 2002 im Juli ab 4m anaerob, Nährstoffanreicherung (NH4-N 2,06 mg/l; o-PO4-P 364 µg/l, Gesamt-PO4-P 654 µg/l); TP max im Aug (125 µg/l), Chlorophyll max im September;
- 2004 im Juli ab 3 m anaerob, im Aug im Tiefenwasser 332 µg TP/l; ab Sep Umwälzung, dadurch im Okt höchster P an Oberfläche (129 µg/l) und stärkste Algenentwicklung (85 µg Chl/l)
- 2010 TP im März mit 70 µg/l hoch, bis Juli gleichbleibend; im Aug starker Anstieg auf 151 µg TP/l (durch frühe Umwälzung; Sauerstoffsättigung recht gering); Chloro max im Sept (Microcystis, daneben Anabaena solit. u. Gomphosphaeria aponina, Kiesel- und Grünalgen); im Juli in 4 m Tiefe Blaualgenblüte; Nährstoffanreicherung am Grund (NH4-N 0,69 mg/l; o-PO4-P 300 µg/l, TP 432 µg/l); TWA hing zu hoch und deswegen funktionslos (wurde geändert); niedrige Wasseraustauschrate
- 2011 TWA von April bis Juli nicht in Funktion; im September Blaualgen (Anabaena solitaria, Lyngbia limnetica) und Stephanodiscus hanttzschii. See zirkuliert auch im sommer immer wieder
- 2012 2 Männchen der Libellenart "Östliche Moosjungfer" (Leucorrhinia albifrons) am Südufer gefunden (B. Schmidt), 3. Fund in BW seit 100 Jahren
- bis 2013 TWA erneut im Sommer minimal in Betrieb wegen niedrigen Wasserstandes durch Energienutzung.
- 2015

Pflanzennährstoffe und andere Trophieanzeiger im Jahresdurchschnitt:
(P- und N-Mittelwerte wenn möglich einschließlich Tiefenwasser; erfasst besser die Gesamtsituation)

 

1987

1996

1997*

2002

2004

Trophiestufe

anorg. Gesamt-Stickstoff (mg/l)

0,45

0,27

0,40

0,42

0,36

 

Gesamt-PO4-Phosphor (µg/l)

117

85

90

99

78

eutroph

Chlorophyll a (µg/l)

18

39

46

26

35

eutroph

Chlorophyll a - Spitze (µg/l)

40

92

100

52

85

eutroph

Sichttiefe (m)

0,6

1

1,1

1,0

1,3

hoch eutroph

* nur Oberflächenwasser
Trophiestufe: 1987 eutroph; 1996 bis 2009 eutroph, e2; 2010 eutroph, e2-p1; 2014 eutroph e2

Phosphorgehalt nur Oberflächenwasser:

 

1996

1997

2002

2004

2009

2010

2014

Gesamt-PO4-Phosphor (µg/l)

79

90

92

72

63

76

65


Belastungshöhe:
Über die oberirdischen Zuläufe wurden 1996 ca. 186 kg Phosphor eingetragen. Zusammen mit dem Eintrag über Luft (17 kg) ergibt sich eine Gesamtbelastung von 203 kg P/Jahr. Die Grenze der kritischen Oberflächenbelastung mit Phosphor, ab der mit einer fortschreitenden Eutrophierung zu rechnen ist (112 kg P/a), wurde 1996 um das 1,8 –fache überschritten

Belastungsquellen
– bis 1967 (Bau der Kläranlage Beuren) Einleitung von Käsereiabwässern
– danach über viele Jahre Hochwasserentlastung der KA in den See (inzw. abgestellt) KA heute zu klein; soll bis 2001 an AZV Ried angeschlossen werden
– 3 Teilorte (Allmisried, Winnis, Seehalden; 35 Einw.) ohne Kläranschluss (Stand 1991)
– 2006 Stichprobenuntersuchungen an Zulauf 2 und 3 (Fürst 06): im Z 2 höhere P-Werte (80-110 µg/l), wobei Nährstoffeinträge auch schon oberhalb Winnis stattfinden; im Z 3 sehr hohe P-Werte (110-540 µg/l) aus Winnis-Ost und dem direkten Umland
– Ferienhäuser am Südufer nicht angeschlossen; dazu kommen über 20 Wochenend- und Bootshäuser um den See herum
– viele intensiv genutzte Grünlandflächen in Hanglage, entwässerte Niedermoorbereiche; fehlende Pufferstr., begradigte Bachläufe; Gülle in Hanglage und auf Moorflächen 
– Badebetrieb, Zeltplatz, Bootsanlegeplatz
- 2015/16 punktuelle Einträge aus 3 landwirtschaftlichen Betrieben (Winnis und Beuren)

Vorschläge zur Sanierung/Restaurierung
– zentraler Abwasseranschluss
– Extensivierung kritischer Flächen, insbesondere geneigte Flächen im Uferbereich
– Renaturierung der Zuflüsse; Pufferstreifen
– Umsetzung des Pflegeplans des RP Tü; Uferpflege am See
– Installation einer Tiefenwasserableitung
- Beseitigung der Punkteinträge

Umsetzung / Maßnahmen
Abwasser
– 1997 Anschluss von Allmisried, 1999 von Seehalden; Winnis bleibt dezentral; Ferienhäuser am Südufer mit geschlossenen Gruben (so auch 2008)

Landwirtschaft
– 1995 Extensivierungsplanung für die landw. genutzten Flächen im EZG (Trautmann)
– Beratung der Landwirte im Hinblick auf eine Verminderung der Nährstoffausträge aus den landwirtschaftlich genutzten Flächen
- 2015/16 Beseitigung von Punkteinträgen bei 2 landwirtschaftlichen Betrieben
- Extensivierung

Jahr Hektar Kosten Jahr Hektar Kosten Jahr Kosten
1996 4,4 2.490,-DM 2003 13,0 2010 8,9
1997 15,7 8980,-DM 2004 15,8 2011 8,9
1998 15,7 8.280,-DM 2005 15,8 2012 9,6 2.760 €
1999 13,7 2006 16,7 5.190 € 2013 9,6 2.900 €
2000 12,8 7.480,-DM 2007 7,9 2.370 € 2014 4,9 1.070 €
2001 13,7 2008 5,6 2015

5,5

1.360 €
2002 13,0 3.790,-DM 2009 8,9

Renaturierung
– seit 1991 sind Teilbereiche (West- und Ostseite, Teil der Nordseite) gesperrt
– 1996 Gewässerentwicklungsplan durch Herrn Augustin (Diplomarbeit), FH Biberach
– Pflegeplan des RP Tü wird in Teilbereichen umgesetzt
– 2003 Renaturierung am Zufluss beim Campingplatz
– geplant sind Renaturierungen am Rötelbach (3700m) sowie den Zuflüssen 1 (550m), 2 (Käsbach, 650m), 4 (570m), 5 (2000m), 6 (Scheidbach, 330m)

Sonstiges
– 2000 Aufstellen von Infotafeln (über Seensanierung) im Campingplatz
– 2001 Uferpflegekonzept für den See (Herz)
– 2009 Einbau einer TWA (2006 Planung im Rahmen einer Diplomarbeit); 
Sommer 2010 durch Taucher festgestellt, dass Leitung statt in 1 m Höhe in mind. 2,5 m Höhe hängt; daher kaum Nährstoffabtransport; für dauerhafte Installation wurde 2011 spezielle Konstruktion erstellt
- LRA regelt den Schwallbetrieb durch die Kraftwerksbetreiber

Letzte redaktionelle Änderungen Mai 2016