Luftbild (© Luftbildagentur Frank Hofmann), Tiefenkarte und Ausschnitt topografische Karte (das hydrologische Einzugsgebiet von Großem und Kleinem Ursee ist rot umrandet)

Ursee, Großer

Änderungen Mai 2016seit 2000 im SOS

Stadt Isny, Lk. RV TK 8226

am Einzugsgebiet zusätzlich beteiligt: Leutkirch

Schutzstatus: NSG („Taufach-Fetzachmoos mit Urseen“; seit 1982; 314,8ha), FFH, § 33-Biotop

Eigentümer: Haus Waldburg-Zeil Pächter: nicht verpachtet

Landwirtschaftliche Struktur im Einzugsgebiet (Stand 2016):

Wald

Grünland

Ackerland

Wohnbebauung

großer Ursee direkt

20 %

60 %

10 %

10 %

einschl. kleiner Ursee

35 %

50 %

5 %

10 %

 

Untersuchungen am Großen Ursee:

untersucht von

Jahr

Gegenstand

untersucht von

Jahr

Gegenstand

ISF (Roßnecht, 1992)

1987

Limnologie

Fürst

2008

Limnologie

Fürst

2000 (7x)

Limnologie

Fürst

2013

Limnologie

Fürst

2001

Limnologie




 

Literatur: Bauer 1975, BNL-Tübingen, Göttlich (1973), Konold 1987, Kuon 1983 LfU 1994, Pfadenhauer 1985, Prinzinger 1991/99, Roscher 1989, Roßknecht 1992, Roweck 1986/88

Entstehung/Umgebung: gegen Ende der letzten Eiszeit vor 16 000 Jahren in Toteisloch; umgeben von Taufach-Fetzachmoos (Moorgebiet; NSG); die ursprünglich starken Höhenunterschiede im Gelände wurden durch den wachsenden Moorkörper nivelliert; Bergkiefernhochmoor; entlang des Fetzach-Grabens Niedermoorgürtel; Hoch- und Niedermoor bilden mit den ehemaligen Torfstichen ein eng verzahntes, sehr abwechslungsreiches Gebiet mit zahlreichen seltenen Tier- und Pflanzenarten

Bewirtschaftung: Im 17. Jahrhundert Abfluss aufgestaut zum Fetzachweiher; zeitweise so hoch, dass er zur Eschach und Argen entwässern konnte; 1856 abgelassen; 1933 zum Schutz von Leutkirch vor Eschach-Hochwasser Gebiet des ehem. Fetzachweihers als Rückhaltebecken eingerichtet (über Flutkanal wurde Eschachwasser dem Moor zugeführt; gleichzeitig die Entwässerung des Gebietes verstärkt, so dass sich der Wasserabfluss aus dem Moor in hochwasserfreien Zeiten um 25 % erhöhte); 1996 Bau eines großen Rückhaltebeckens (1,3 Mill.m3), das sich bei Eschach-Hochwasser füllt (ab 10 m3), und anschließend das Wasser wieder an Eschach abgibt oder versickern lässt; nur in seltenen Fällen (rechnerisch alle 7 J.) soll Eschachwasser noch ins Moorgebiet gelangen; so im Mai 1999 und im August 2002 (ges. Taufach-Fetzach-Moos überstaut, alles Huminstoff-reiche Wasser weg; chemisch für Gr. Ursee nicht negativ, da Eschachwasser (nach erster Welle) P-ärmer und Sauerstoff-reicher ist); extensive Angelfischerei auf Hechte; zumindest seit 1980 kein Besatz


Hydrologische Daten: geschichtet

EZG

Wasserfläche

max. Tiefe

mittlere Tiefe

Volumen

(95 kl.U + 208) 303 ha

19,4 ha

9,8 m

4,4 m

859 000 m3

Zulauf z.T. unterirdisch, aus ca. 20 Entwässerungsgräben im W u. S (+ 2 Fischweiher), einem Bach aus Beuren (Gießbächle) sowie aus dem Kleinen Ursee

Ablauf über den Fetzachgraben in die Eschach, Iller, Donau

 


Sediment: Anfang der 1970er große Untersuchung des Untergrundes mit vielen Bohrungen auf verschiedenen Achsen quer durchs Moor; 2000 Pges 1,1 mg/g TS, Glühverlust 53 %;


Flora und Fauna / Daten Wasserchemie: größerer Bestand an Edelkrebsen, da Aal fehlt; seit 2000 Biber; seit Mitte der 1970er Jahre regelmäßige Algenblüten (Blaualgen); 1999 Oscillatoria;

2000/2008/2013 Nuphar lutea, Nuphar pumila (Fürst, Bolender, Bolender)

Fische: Brachse, Rotauge, Rotfeder, Schleie, Karpfen, Barsch, Hecht

Vögel: Baumfalke, Wespenbussard, Bekassine, Haubentaucher, Raubwürger

Nach Ornika, 17. Jahrgang 05 (Fetzach-Taufach-Moos): Haubentaucher, Kormoran, Graureiher, Krickente, Reiherente, Blässralle, Teichralle, Bekassine, Teichrohrsänger, Sumpfrohrsänger

2000 TP max (81 µg/l) im September, Chloro max im November; Sauerstoffsättigung 170 - 73 %; pH bis 9,4; am Grund anaerob und Nährstoffanreicherung (270 µg o-PO4-P/l, 323 µg TP/l, 0,86 mg NH4-N/l); keine Daphnien

2001 TP max (76 µg/l) und Chloro max im April; Sauerstoffsättigung 137 - 82 %; pH bis 8,9; im Sommer ab 2,5 m anaerob; am Grund Nährstoffanreicherung (216 µg o-PO4-P/l, 253 µg TP/l)

2008 TP max (91 µg/l) im Juli, Chloro max im Juni; Sauerstoffsättigung 183 - 91 %; pH bis 8,9; am Grund Sauerstoffdefizit (bis 22 %) und Nährstoffanreicherung (287 µg o-PO4-P/l, 333 µg TP/l, 0,87 mg NH4-N/l); massive Algenblüten (Aphanizomenon, Planktothrix rub., Goldalge Chrysochromulina), so im Juni bei 0,4 m Sichttiefe; viele Daphnien (D. cucullata)

2013 TP max (67 µg/l) im März, Chloro max im Oktober; Sauerstoffsättigung 154 - 64 %; pH bis 8,8; am Grund Sauerstoffdefizit (bis 15 %) und Nährstoffanreicherung (155 µg o-PO4-P/l, 269 µg TP/l, 0,93 mg NH4-N/l); Anabaena solitaria,, chroococcale Formen, Erkenia subaequiciliata (Chryso), Cyclotella spp., Scenedesmus spp., Ceratium; Daphnia cucullata; durch den im Vgl. zu 2008 geringeren Eintrag über den Zulauf hat auch der P-Gehalt im See deutlich abgenommen


Pflanzennährstoffe und andere Trophieanzeiger im Jahresdurchschnitt:

(P- und N-Mittelwerte einschließlich Tiefenwasser; erfasst besser die Gesamtsituation)

 


2000

2001

Trophiestufe

2008

Trophiestufe

anorg. Gesamt-Stickstoff (mg/l)

0,47



0,49


Gesamt-PO4-Phosphor (µg/l)

93

75

eutroph

78

eutroph

Chlorophyll a (µg/l)

39

40

eutroph

63

hoch eutroph

Chlorophyll a - Spitze (µg/l)

70

61

eutroph

105

hoch eutroph

Sichttiefe * (m)

0,7

0,6

eu-/hypertroph

0,6

eu-/hypertroph

 


 


2013

Trophiestufe

anorg. Gesamt-Stickstoff (mg/l)

0,29


Gesamt-PO4-Phosphor (µg/l)

56

eutroph

Chlorophyll a (µg/l)

20

eutroph

Chlorophyll a - Spitze (µg/l)

41

eutroph

Sichttiefe * (m)

1,0

hoch eutroph

 

* auch durch Huminstoffe eingeschränkt


Trophiestufe: 2000 und 2001 eutroph, e2; 2008 polytroph, p1; 2013 eutroph, e1


Phosphorgehalt nur Oberflächenwasser:

2000

2001

2008

2013

Gesamt-PO4-Phosphor (µg/l)

69

58

66

48

 


Veränderungen in den letzten Jahrzehnten: vom dystrophen Braunwassersee zum eutrophen Gewässer; der eutrophierende Einfluss des nährstoffreichen Zulaufs sowie zeitweiligem Einstau von Eschachwasser zeigt sich in den regelmäßigen Algenblüten und in der großflächigen Ausbreitung eines Schilfröhrichts, das die ufernahen Großseggenriede und Pfeifengraswiesen heute weitgehend überwachsen hat.

 

Belastungsquellen

– früher intensive Abtorfung

– früher Zufuhr von Eschachwasser zusammen mit Sedimenten und Nährstoffen (2000 bei Hochwasser 157 µg/l Gesamtphosphor)

– Missen, ein Einzelgehöft, Unter-u. Oberspießwangen, Lettelesmühle, Michlebaindt, Hedrazhofen, Lengertshofen, Teile von Beuren im EZG;
Missen, Michlebaindt, Hedrazhofen, Unterspießwangen angeschlossen (Stand 00)

– Ursee-Zulauf bekommt von seitlich (Michlebaindt) eventuell Abwasser (2004); Hauptbelastung kommt zwischen Michchlebaindt und Mündung in den Zulauf

– zwischen intensiv genutztem Grünland und kaum genutzten Großseggenrieden liegen Feuchtwiesen, die meist in die intensive Nutzung mit einbezogen werden; die Entwässerungsgräben kommen v.a. aus landwirtschaftlich genutzten Flächen

– nicht-genehmigter Badebetrieb (NSG), Schäden jedoch gering

Vorschläge zur Sanierung/Restaurierung

– zentraler Abwasseranschluss; Beseitigung der punktuellen Nährstoffeinträge

– Extensivierung kritischer landwirtschaftlich genutzter Flächen

– Verfüllen von Drainagen

– Umsetzung des Pflegeplans des RPTÜbingen

– Pufferstreifen an den Gräben, keine Räumung, Renaturierung des Zulaufs

– Fernhalten von Eschach-Hochwasser

– Einrichtung einer Tiefenwasserableitung



Umsetzung / Maßnahmen

Abwasser

– 2001 bis auf 5 Einzelgehöfte alles angeschlossen; 2004 die Restlichen angeschlossen

Landwirtschaft

– 2000 Extensivierungsplanung für die landw. genutzten Flächen im EZG (Trautmann)

– Beratung der Landwirte im Hinblick auf eine Verminderung der Nährstoffausträge aus den landwirtschaftlich genutzten Flächen

– Bau von Güllegruben

– extensivierte Flächen:

 

Jahr

Hektar

Kosten

Jahr

Hektar

Kosten

Jahr

Hektar

Kosten

2000

7,0

4.190 DM

2004-05

8,4


2012

9,6

2.980 €

2001

8,1


2006

12,1

4.340 €

2013

9,8

3.660 €

2002

7,0

2.140 €

2007

6,1

2.290 €

2014

7,5

2.860 €

2003

8,3


2008-11

10,5


2015

8,4

3.410 €

 


Renaturierung

– die Pflegemaßnahmen des RPTÜbingen werden durchgeführt

– seit 2000 Biber im Taufach-Fetzach-Moos; hin und wieder Probleme durch höhere Wasserstände (Dammbauten); 2013 im Ablaufgraben Probleme wegen vielen Dämmen

– 2004 Gewässerentwicklungsplan durch Bolender/Fürst, Biberach

– 2015 wurde für das gesamte Gebiet des Taufach-Fetzach-Mooses vom RPTÜbingen ein neues Pflegekonzept erarbeitet

Sonstiges

– 1996 Bau eines Rückhaltebeckens, welches Eschachwasser bei Hochwasser aufnimmt

– 2000 Ausbaggerung des Ablaufgrabens zum schnelleren Abfluss nach Starkregen; hierdurch soll ein Rückstau in kleinen Ursee verhindert werden; gleichzeitig wurde ein kleines Wehr im Ablauf des kl. Ursees installiert (leichter Anstau)

– 2004 Suche nach Eintragsquelle bei Michlebaindt

– seit 2006 liegt die Planung einer TWA vor (Dipl.-Arbeit Rettinger und Büro Wasser-Müller)

Letzte redaktionellen Änderungen Mai 2016