Luftbild (© Luftbildagentur Frank Hofmann), Tiefenkarte und Ausschnitt topografische Karte (das hydrologische Einzugsgebiet des Stadtweihers ist rot umrandet)

Stadtweiher Leutkirch

seit 2000 im SOS

Stadt Leutkirch, Lk. RV TK 8126 + 8226

Schutzstatus: NSG (östlicher Bereich des Weihers; „Moosmühle“; seit 1991; 34 ha), ½ FFH; im EZG ein Wasserschutzgebiet sowie ein weiteres im Verfahren

Eigentümer: Stadt Leutkirch Pächter: nicht verpachtet, leihweise an Angelfreunde Leutkirch

Landwirtschaftliche Struktur im Einzugsgebiet (Stand 2016):

Wald

Grünland

Ackerland

Sonderkulturen

Wohnbebauung

25 %

65 %

5 %


5 %

 

Untersuchungen am Stadtweiher Leutkirch:

untersucht von

Jahr

Gegenstand

untersucht von

Jahr

Gegenstand

Fürst (Voruntersuch)

2000 (3x)

Limnologie

Fürst

2008

Limnologie

Fürst

2002

Limnologie

Fürst

2013

Limnologie

 

Literatur: Prinzinger 1991/99

Entstehung: künstlich; erstmals erwähnt 1397; immer wieder über Jahrzehnte trocken bzw. verlandet; 1961 wieder fast zugewachsen, daher bis 1963 mit großem Aufwand ausgebaggert (350 000 m3); hierbei auch neue Gehölze gepflanzt


Bewirtschaftung: Badenutzung für Stadt wichtig; Angelfischerei; jährl. Besatz mit Regenbogenforellen, Saiblingen, Karpfen, Schleien, Rotaugen; 1995 bis 2003 jährl. im Herbst abgelassen und gewintert (gegen Verschlammung u. Verschilfung); ein Teil der Fische hierbei in Überwinterungsteiche umgesetzt; da keine Probleme mit Wasserqualität, Pflanzenwachstum, Fischaufwuchs, nächstes Ablassen immer wieder verschoben; nach Bau des Absetzbeckens 2010 abgelassen und gewintert (600 kg Weißfische, darunter viel Ukelei, 150 Stück Hecht, 115 Stück Karpfen, 700 Stück Schleie, 25 kg Barsch; 160 kg Signalkrebse; Abfischkasten etwas kurz, könnte aber erweitert werden; Absetzbecken funktioniert gut); 2014 abgelassen und gewintert (950 kg Weißfische, 8 Stück Hecht, 260 Stück Karpfen, 900 Stück Schleie (+ 140 kg Setzlinge 15-20cm), 31 Stück Forelle (Bach+Regenbogen), 17 Stück Zander, 70 kg Barsch; 90 kg Signalkrebse); Mönch


Hydrologische Daten:

EZG

Wasserfläche

max. Tiefe

mittlere Tiefe

Volumen

1516 ha

17,6 ha

3,2 m

2,1 m

375 000 m3

Zulauf Schorniggelbach (Floschen), Neumühlebach (mündet uh Neumühle in Floschen) und Riedles Mühlbach

Ablauf über Eschach, Aitrach, Iller in die Donau

 


Sediment: stark verschlammt; 2000 Pges 0,9 mg/g TS; Glühverlust 8%


Flora und Fauna / Daten Wasserchemie: in den 1990er Mähboot wenig erfolgreich, daher Ausreißen der Makrophyten mit Motorboot/Rechen; Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus; ausländische Art); Biber;

2000 Pot. sp., Elodea canadensis, Ranunculus trichophyllus (Fürst); Algenblüten (Grün- , Goldalgen); Daphnia longispina; 2001 Potamogeton pectinatus, -pusillus (Schiel/Bolender);

2008/2013 keine Makrophyten (Bolender)

Sommer 2008 hat Gesundheitsamt wegen Blaualgenblüte Aufstellen von Warnhinweisen veranlasst; Sommer 2011 erneut Blaualgenblüte und Aufstellen von Warntafeln

Fische: Barsch, Karpfen, Schleie, Rotauge, Döbel, Regenbogenforelle, Bachforelle; die in den 1960er Jahren eingesetzten Graskarpfen wurden 1989 beim Ablassen entfernt

Fische 2010: Schleie, Hecht, Karpfen, Rotauge, Rotfeder, Ukelei, Barsch; 2014 zusätzl. Zander, Bach- und Regenbogenforelle

Vögel: beim Ablassen 2010 bis 100 Kormorane, 70 Gänsesäger, 25 Grau- und Silberreiher; beim Ablassen 2014 bis 150 Kormorane, 50 Gänsesäger, 70 Grau- und Silberreiher


2002 TP max (135 µg/l) im Juni, Chloro max im August; Sauerstoffübersättigung bis 151 %; pH bis 8,5; am Grund weder Sauerstoffdefizit noch Nährstoffanreicherung; ungewöhnlich geringe Algenentwicklung; Ursache hierfür evtl. das zuvor regelmäßig durchgeführte Ablassen und Wintern

2008 TP max (121 µg/l) und Chloro max im Oktober; Sauerstoffsättigung 245 - 82 %; pH bis 8,6; am Grund Sauerstoffdefizit (bis 57 %) und Nährstoffanreicherung (32 µg o-PO4-P/l, 190 µg TP/l, 0,14 mg NH4-N/l); Juli bis Nov Blaualgenblüten (Anabaena, Aphanizomenon, Planktothrix rubescens), so im Okt mit 0,5 m Sichttiefe; wenig Daphnia cucullata; schneller Wasseraustausch; Algenaufkommen deutlich höher als 2002 (da kein Ablassen/Wintern seit 2003), aber dem P-Gehalt entsprechend

2013 TP max (83 µg/l) im Oktober, Chloro max im April; Sauerstoffsättigung 198 - 88%; pH bis 8,8; keine Blaualgenblüten; Aphanizomenon gracilis, Chlorophyceen (Dictyosphaerium sp.) und Cryptophyceen; nur wenige mittelgroße Daphnien vorhanden (D. cucullata, Diaphanosoma brachyurum)


Pflanzennährstoffe und andere Trophieanzeiger im Jahresdurchschnitt (Oberflächenwasser):

2000*

Trophiestufe

2002

Trophiestufe

anorg. Gesamt-Stickstoff (mg/l)



0,9


Gesamt-PO4-Phosphor (µg/l)

57

eutroph

71

eutroph

Chlorophyll a (µg/l)

42

hoch eutroph

7

meso-/eutroph

Chlorophyll a - Spitze (µg/l)

66

eutroph

16

meso-/eutroph

Sichttiefe (m)

1,3

hoch eutroph

2,0

eutroph

 

* nur 3 Messungen

 


2008

2013

Trophiestufe

anorg. Gesamt-Stickstoff (mg/l)

0,65

0,51


Gesamt-PO4-Phosphor (µg/l)

78

70

eutroph

Chlorophyll a (µg/l)

37

26

eutroph

Chlorophyll a - Spitze (µg/l)

86

51

eutroph

Sichttiefe (m)

1,1

0,9

hoch eutroph

 


Trophiestufe: 2002 eutroph, e1; 2008 und 2013 eutroph, e2

 

Belastungsquellen

– Leutkirch (teilw.),Balderazhofen,Waldbauer,Glockenreute,Geigers,Hasenberg,Schachen,Schornig-gelhöfe,Schorniggelhäuser,Wielazhofen,Furt,Einsiedler,Talhof,Lochbühl,Nonnenbühl,Kessel-brunn,Ölmühle,Neumühle,Quellenhof,Riedlesmühle,Teil v. Adrazhofen,Freihalden,Gsch-wend,Bergschmied,Tannhöfe,Wuchzenhofen,Bauernhalden,Haldenhof,Luttolsberg im EZG;

Angeschlossen sind Leutkirch, Wielazhofen, Furt, Einsiedler, Talhof, Adrazhofen, Wuchzen-hofen; Lochbühl und Schorniggelhäuser teilweise; nicht angeschlossen sind Balderazhofen, Waldbauer,Glockenreute,Geigers,Hasenberg,Schachen,Schorniggelhöfe,Schorniggelhäu-ser,Lochbühl,Nonnenbühl,Kesselbrunn,Ölmühle,Neumühle,Quellenhof,Riedlesmühle,Freihalden, Gschwend,Bergschmied,Tannhöfe,Bauernhalden,Haldenhof,Luttolsberg (Stand 1999)

– RÜB (Wuchzenhofen)

– intensiv landwirtschaftlich genutzte Flächen und punktuelle Eintragsquellen; 2011 Abwasserpilz in 2 Zuflüssen aus Biogasbetrieb und LW-Anwesen; im Jan 2014 (und Jan 2015) Abwasserpilz uh Schorniggelhöfe

– Nährstoff- und Sedimentgehalt in den Zuläufen hoch

– Freibad


Vorschläge zur Sanierung/Restaurierung

– zentraler Abwasseranschluss, Überprüfung des RÜB

– Extensivierung kritischer landwirt. genutzter Flächen; Beseitigen von Punktquellen

– Renaturierung eines Teils des Zulaufs

– Überprüfung der fischereilichen Bewirtschaftung (z.B. Winterung nur noch alle 2-3 Jahre; auf der anderen Seite wirkt das jährl. Ablassen einer Verschlammung und Verschilfung sowie einem Zerkarienbefall entgegen); die Bewirtschaftung muss dem jährlichen Ablassen angepasst sein, oder der Turnus muss verlängert werden

– Bau eines Absetzbecken im Ablauf; durch den Schlammaustrag wurde der Grund des uh. gelegenen Baches (FFH) auf längere Strecke verschlammt; dortiger Fischbestand (u.a. Groppe, Bachforelle, Döbel) angeblich zurückgegangen bzw. verschwunden

– anstelle des Oberflächenwassers vermehrt Tiefenwasser aus dem Weiher ableiten


Umsetzung / Maßnahmen

Abwasser

– 2004 Anschluss von Neumühle und Ölmühle

– bei Einzelgehöften Anschluss möglich (Stand 1999); sie haben alle mindestens Ablauf in Güllegrube oder Rollenden Kanal

Landwirtschaft

– 2000 Extensivierungsplanung für die landw. genutzten Flächen im EZG (Trautmann)

– Beratung der Landwirte im Hinblick auf eine Verminderung der Nährstoffausträge aus den landwirtschaftlich genutzten Flächen

– im Winter 2013/14 am Schorniggelbach Beseitigung einer starke Belastung durch einen Agrogasbetrieb

– extensivierte Flächen:

 

Jahr

Hektar

Kosten

Jahr

Hektar

Kosten

Jahr

Hektar

Kosten

2000-01

11,0

6.300 DM

2007-08

43,6

6.420 €

2013

19,3

6.240 €

2002-03

16,3

5.100 €

2009

19,8


2014

19,2

6.450 €

2004-05

20,2


2010-11

22,0


2015

15,4

5.930 €

2006

6,9

2.520 €

2012

19,7

6.350 €




 


Renaturierung

– 1992 Gewässerentwicklungsplan durch Dr. Kapfer, Tuttlingen

Sonstiges

– 1996 Sedimentations- und Hochwasserrückhaltebecken mit Regelwerk am Zulauf

– 2001 fischereiliches Bewirtschaftungskonzept (Phillipson)

– 2002 Teilentschlammung im Badebereich; Grund mit Steinen versehen (dort daher keine Makrophyten mehr)

– 2004 Uferpflegekonzept für den Weiher (Herz)

– 2004 Neuanlage des Freibadbereichs

– 2010 Bau eines Schlammabsetzbeckens im Ablauf (Stadt; 2500 m3; 113 000) sowie Sanierung des Abfischkastens (Angelverein)

Letzte redaktionellen Änderungen Mai 2016