Luftbild (© Luftbildagentur Frank Hofmann), Tiefenkarte und Ausschnitt topografische Karte (das hydrologische Einzugsgebiet des Volzersees ist rot umrandet)

Volzersee

1989 - 2000 und ab 2010 wieder im SOS

Gemeinde Illmensee, Lk. SIG TK 8122

Schutzstatus: NSG („Ruschweiler und Volzersee“; seit 1990; 70,6 ha), FFH, teilweise § 33-Biotop

Eigentümer: Land Baden-Württemberg Pächter: Werner Hug, Illmensee

Landwirtschaftliche Struktur im Einzugsgebiet (Stand 2016):

Wald

Grünland

Ackerland

Sonderkulturen

Wohnbebauung

15 %

25 %

45 %


15 %

 

Untersuchungen des Volzersees:

untersucht von

Jahr

Gegenstand

untersucht von

Jahr

Gegenstand

ISF(Rossknecht,1992)

1985

Limnologie

Fürst

2001

Limnologie

WBA (Strehle)

1987/88

Limnologie

Fürst

2003

Z. Schilfgraben

FFS (Dehus)

1993

Fischbestand

Wurm

2009

Limnologie

ISF

1994

Limnologie

Wurm

2014

Limnologie

 

Entstehung: gegen Ende der letzten Eiszeit vor 16 000 Jahren; steinzeitliche Ufersiedlungen;

Bewirtschaftung: extensive Angelfischerei; Besatz mit Hecht, Karpfen, Zander, Wels und Aal;

Hydrologische Daten: stark betroffen von einer Wasserspiegelsenkung an Illmensee und Ruschweiler See (1937); Wasseraustausch gering; 1980 max. Tiefe 2 m

EZG

Wasserfläche

max. Tiefe

mittlere Tiefe

Volumen

91 ha (zeitw.+ 800 I +257 R =1148)

4,7 ha

1,6 m

1,2 m

58 000 m3

Zulauf aus Gräben im SW und SO und hin und wieder aus Andelsbach (Ruschweiler See)

Ablauf bei hohem Wasserstand in Andelsbach

 


Sediment: Faulschlamm mit H2S; 1985 Wassergehalt 92%, Glühverlust 40%


Flora und Fauna / Daten Wasserchemie: Biber seit 2013; in den 1980er Nuphar lutea, Nymphaea alba; Blaualgenblüten;

Frühjahr

Sommer

Herbst

1987

Mallomonas caudata, Dinobryon stip.

Oscillatoria sp.

Dinobryon stipitatum

1988

Dinobryon stipitatum, Peridinium sp.

Oscillatoria sp.

Dinobryon stipitatum

 

2009 Nuphar lutea, Nymphaea sp. (Zuchtform) (Bolender); 2009 Nuphar lutea, Nymphaea sp. (Zuchtform/ausländische Form), Nymphaea alba, Spirodela polyrhiza (Herz)

Fische 1993: Moderlieschen (53 %), Rotfeder, Rotauge, Brachse, Aal, Hecht, Zander, Barsch, Karpfen, Wels; Ende der 1980er Jahre Graskarpfenbesatz


1994 TP max (141 µg/l) im Mai, Chloro max im April; Sauerstoffsättigung 135 - 83 %, meist Sauerstoffdefizit; pH bis 8,4

2001 TP max (411 µg/l) im Mai, Chloro max im Juli; Sauerstoffsättigung 153 - 66 %; pH bis 9,1; undichte KA-Ableitung wirkt sich sehr negativ aus; viele Grün-, Kiesel-, Jochalgen, kaum Blaualgen

2009 TP max (247 µg/l) im August, Chloro max im September; Sauerstoffübersättigung bis 221 %; pH bis 9,0; fast ganzjährig Algenblüten; Grün- und Kieselalgen, im Herbst Blaualgen (Anabaena solitaria); keine Daphnien (Fischbestand?)

2014 TP max (275 µg/l) im Juli, Chloro max im Mai; Sauerstoffsättigung 26 - 149 %; pH bis 8,8; in Juli und August viel freies o-P (bis 186 µg o-PO4-P/l; eingetragen u.a. über Schilfgraben), welches aber nicht in Biomasse umgewandelt wurde (Chlorophyll a 4 µg/l; keine Daphnien); p1 nur wegen witterungsbed. geringerem Algenwachstum; Cryptomonas, kaum Blaualgen; keine großen Daphnien


Pflanzennährstoffe und andere Trophieanzeiger im Jahresdurchschnitt:

1985

1987

1988

1994*

Trophiestufe

anorg. Gesamt-Stickstoff (mg/l)

1,0

1,15

0,89

0,36


Gesamt-PO4-Phosphor (µg/l)

81


84

97

eutroph

Chlorophyll a (µg/l)

22

32

47


eutroph

Chlorophyll a - Spitze (µg/l)

27

74

75


eutroph

Sichttiefe (m)


0,9

1,1


hoch eutroph

 

* Ergebnisse Chlorophyll a und Sichttiefe nicht verwertbar


 


2001

2009

Trophiestufe

2014

Trophiestufe

anorg. Gesamt-Stickstoff (mg/l)

0,67

0,29


0,41


Gesamt-PO4-Phosphor (µg/l)

201

157

eu-/hypertroph

184

eu-/hypertroph

Chlorophyll a (µg/l)

66

84

hoch eutroph

46

hoch eutroph

Chlorophyll a - Spitze (µg/l)

112

170

hoch eutroph

148

hoch eutroph

Sichttiefe (m)

0,8

0,7

eu-/hypertroph

1,4

eutroph

 


Trophiestufe: 1988 eutroph; 2001 und 2009 poly- bis hypertroph, p2; 2014 polytroph, p1

 

Belastungsquellen

– 1 Teilort (Volzenhöfe; 30 Einwohner) ohne Kläranlagenanschluss (Stand 1991); Einträge aus Agrogasanlage (2013)

– Einfluss durch Kläranlagenablauf: Andelsbach fließt nahe am See vorbei und ist durch Graben verbunden; bei Hochwasser kann Wasser aus Andelsbach zusammen mit dort einmündendem Kläranlagenwasser in den See fließen (Fürst 2001)

– 2003 festgestellt, dass Leitung des Kläranlagenablaufs undicht, und sowohl Ruschw. See als auch, viel stärker, Volzersee (über Schilfgraben) hierdurch belastet werden (Fürst 2003); bis 2010 unverändert, da Behebung teuer; seit 2012 soll Leitung durch das Einziehens eines Inliners repariert werden (Kosten ca. 40.000,-)

– 2014 P-Gehalt im südwestl Zulauf im Vergleich zu früher stark erhöht; die obh gelegene neu gebaute Biogasanlage, deren Ablauf in Z1 mündet; kann es aber eigentlich nicht sein, da sie aufgrund von Einträgen bereits 2013 umgbaut wurde

– 2015 Untersuchungen der westlich des Illmensees gelegenen Entwässerungsgräben; hierbei teils sehr hohe Einträge v.a. bei Regenereignissen aus dem Bereich der Biogasanlage (Krautgärten) durch oberflächliche Abschwemmung aus begüllten Äckern und Wiesen festgestellt, die v.a. in Richtung Volzersee über Z1 abfließen

– entwässerte Niedermoorflächen, Ackerfläche in Seenähe; Einleitungen in Schilfgraben

– geringer Wasseraustausch


Vorschläge zur Sanierung/Restaurierung

– Verbesserung der Abwassersituation

– Wiederanschluss des Andelbaches (seit 1937 abgehängt) zum besseren Wasseraustausch und Minderung des Nährstoffdepots im Schlamm; Ableitung von Wasser aus Andelsbach obh KA-Einleitung in die Südhälfte des Volzersees; evtl. Förderung durch „Stiftung Naturschutzfond“ möglich

– Verlegung des Kläranlagenablaufs nach uh. Volzersee

– Verlegung Volzersee-Ablauf nach uh (in ehemaligen Wassergraben); dann wäre der KA-Ablauf kein Problem und Volzersee-Ablauf wäre wirklich nur Ablauf

– Abdichtung/Neubau der Leitung des Kläranlagenablaufs (undicht); als kurzfristige Maßnahme Entwässerung des ges. Bereichs über Graben, welcher direkt uh des Ablaufs Ruschweiler See in Andelsbach mündet; Schilfgraben und Verbindungsgraben zum Andelsbach obh Ruschweiler See könnten übergangsweise verfüllt werden

– Extensivierung kritischer landwirtschaftlich genutzter Flächen

– Umsetzung des Pflegeplans des RPTÜbingen und der Vorschläge Projekt „Stiftung Naturschutzfonds“

– Entschlammung


Umsetzung / Maßnahmen

Abwasser

– 1996 Anschluss von Volzenhöfe

– 2002 in Illmensee Bau eines RÜB und Optimierung der KA

– 2005 Überlegungen zur Aufgabe der KA und Leitung zur KA Pfullendorf

– seit 2003 Planung der Reparatur der undichten KA-Ableitung obh Volzersee
(Kosten 200 000,-); erst nach Sanierung besteht evtl. Möglichkeit, einen aus Stiftungsmitteln bezuschussten neuen Zulauf vom Andelsbach in den Volzersee anzulegen (für verbesserten Wasseraustausch); seit 2012 soll die Leitung durch Einzug eines Inliners repariert werden (Kosten 40 000,-)

– 2015 soll für die KA eine neue Ablaufleitung eingebaut werden; KA wird erweitert

Landwirtschaft

– 1995 Extensivierungsplanung für die landw. genutzten Flächen im EZG (Trautmann)

– Beratung der Landwirte im Hinblick auf eine Verminderung der Nährstoffausträge aus den landwirtschaftlich genutzten Flächen

– 2001/02 RPTÜ (früher BNL)-Projekt mit Förderung durch „Stiftung Naturschutzfonds“; „Sicherung und Optimierung des Volzersees“ (Schwerpunkt bei Grunderwerb zur Wiedervernässung, aber auch Verbesserung der Abwassersituation und Wasserführung (insg. 245 000,- DM)

– 2013 wurde der Landwirt, aus dessen Biogasanlage Sickersäfte in den Volzersee gelangten, zu einer Geldstrafe verurteilt; Einträge jetzt abgestellt

– extensivierte Flächen:

 

Jahr

Hektar

Kosten

Jahr

Hektar

Kosten

Jahr

Hektar

Kosten

1992-98

5,2

4.400 DM

2007

4,7

760 €

2013

2,4

670 €

1999-02

0,7

310 €

2008

2,8


2014

1,5

420 €

2003-05

0


2009-10

1,6


2015

1,4

850 €

2006

4,7

1.970 €

2011-12

1,5

600 €




 


Renaturierung

– 1994 Gewässerentwicklungsplan durch Ingenieurbüro Funk, Riedlingen

Sonstiges

– Pflegeplan des RPTÜbingen wird umgesetzt

Letzte redaktionellen Änderungen Mai 2016