Luftbild (© Luftbildagentur Frank Hofmann), Tiefenkarte und Ausschnitt topografische Karte (das hydrologische Einzugsgebiet des Haslacher Weihers ist rot umrandet)

Haslacher Weiher

seit 2000 im SOS

Stadt Aulendorf, Lk. RV TK 8024

am Einzugsgebiet zusätzlich beteiligt: Bad Waldsee

Schutzstatus: NSG („Haslacher Weiher“; seit 1992; 22 ha), FFH, § 33-Biotop

Eigentümer: Land Baden-Württemberg Pächter: Fischerei- und Naturschutzverein Aulendorf

Landwirtschaftliche Struktur im Einzugsgebiet (Stand 2016):

 

Wald

Grünland

Ackerland

Sonderkulturen

Wohnbebauung

80 %

5 %

10 %


5 %

 

Untersuchungen am Haslacher Weiher:

 

untersucht von

Jahr

Gegenstand

untersucht von

Jahr

Gegenstand

Wurm (Vorunters.)

2000 (6x)

Limnologie

Fürst

2009

Limnologie

Wurm

2002

Limnologie

Fürst

2014

Limnologie

 

Literatur: BNL-Tübingen (NSG), Herbst 1983, Hölzinger 1987, Konold 1987, LfU 1994, Pfadenhauer 1985, Prinzinger 1991/99, Regionalverband 1986, Roweck 1986+1988

Entstehung/Umgebung: erstmals erwähnt 1426; Hänge des flachen Tals (Niedermoorböden) Wiesen und Äcker; geringe Geländeneigung; am Ostufer Bauernhof; der Schlupfenbach entwässert das Brunnenholzried (ebenfalls NSG)


Bewirtschaftung: im MA Fischteich, später Energielieferant für Sägerei (bis 1916), Kornmühle (bis 1969) und danach Turbine bis Mitte der 1980er; heute im stark verlandeten Gewässer nur noch ext. Angelfischerei; 1970 abgelassen; 1994 abgelassen u. gewintert (hierbei viel Schlamm ausgetragen); jedes 2. Jahr Besatz mit Hecht, Karpfen, Schleie; Entnahme 1994 ca. 50 kg/ha*a; 2007 abgelassen u. gewintert; Flussmuscheln teilw. eingesammelt und oberhalb des Weihers im Bach zwischengelagert; Querbauwerke im Bach hielten Schlamm teilw. zurück; Abfischen gut organisiert; Fischertrag 730 kg (420 kg Karpfen, 170 kg Rotaugen, 50 kg Wels, 40 kg Hecht, 25 kg Schleie, 20 kg Zander, 1 Graskarpfen (entnommen)); bis 2008 nur Grundablass; 2008 gesömmert mit Mönchbau, gewintert und Anfang 2009 wiederbespannt; Neubesatz nach Abstimmung (Phillipson/RP/FV); das ursprünglich geplante Absetzbecken (2007) wird nun doch nicht gebaut, die drei für das Ablassen eingebauten Schlammsperren im Bach sollen genügen


Hydrologische Daten: 1950 ca. 4 ha; 1967 Begradigung/Ausbau des Schlupfenbachs; normale Ablauf des Weihers bis 2008 über Rohr NW100, welches Tiefenwasser ableitete; alter Turbinenablauf (ebenfalls Tiefenwasser) wurde nicht mehr benutzt; Grundablass war nur für das Ablassen; seit 2008 Mönch; schneller Wasseraustausch;

 

EZG

Wasserfläche

max. Tiefe

mittlere Tiefe

Volumen

860 ha

2,2 ha

4,0 m

2,1 m

46 000 m3

Zulauf über Schlupfenbach und einen Graben (langsam fließend)

Ablauf über 2 Gräben, welche sich nach ca. 300 m vereinigen, in die Schussen

 


Sediment: 2005 Pges 1,25 mg/g TS, Glühverlust 56 % (? organischer Anteil)


Flora und Fauna /Daten Wasserchemie: großer Verlandungsbereich mit Schilf- und Rohrkolbenröhricht, welches den Weiher völlig umschließt; Schwarzerlenbruchwald; Teichmuschel, Galizierkrebs (Pontastacus leptodactylus); im Ablauf Flussmuschel (Unio crassus); seit 2011 Biber; 2013 durch Aufstau wg. Biberdämme Pflege des Verlandungsbereiches sehr erschwert

2000 Nuphar lut., Nymph.alba, Polygonum amph., Hippuris vulg., Menyanthes trif. (Wurm)

2008 gesömmert; typ. Teichbodenflora nur Cyperus fuscus, aber viele Rote-Liste-Arten (Herwanger); Teichboden vom Verein Ende 2008 gemäht, Anfang 2009 wiederbespannt

2009/2011 Nuphar lutea, Nymphaea alba, Polygonum amphibium, Hippuris vulgaris, Lemna minor (Bolender/Bolender); 2014 Nuphar lutea, Nymphaea alba, Polygonum amphibium, Hippuris vulgaris, Menyanthes trifoliata (Herz)

Fische: Barsch, Karpfen, Schleie, Rotauge, Rotfeder, Brachse, Zander, Wels, Hecht, Aal, Trüsche und seit Anfang der 1980er Graskarpfen; Biber
Trüsche, Bachforelle, Hasel, Groppe, Schlammpeitzger und Flussmuschel in Zu- und Ablauf


2000 TP max (39µg/l) und Chloro max im Juli; Sauerstoffsättigung120-65%; pH bis 8,3; keine Daph.

2002 TP max (51 µg/l) im Okt, Chloro max im Juni; Sauerstoffübersättigung bis 142%, meist jedoch Sauerstoffdefizit (bis 65 %); im Juli anaerob ab 1,5 m, Nährstoffanreicherung am Grund (89 µg TP/l, 0,59 mg NH4-N/l)

2009 TP max (81 µg/l) im August, Chloro max im November; Sauerstoffübersättigung bis 175 %; im Sommer am Grund Sauerstoffdefizit bis 26 % und Nährstoffanreicherung (0,59 mg NH4-N/l, 91 µg TP/l); kaum Blaualgen, wenig Daphnien

2014 TP max (60 µg/l) im Juli und Chloro max im April; immer Sauerstoffdefizit (bis 56 %); im Sommer am Grund Sauerstoffdefizit bis 15 %, aber keine Nährstoffanreicherung; im Juni Blaualgen (Microcystis aeruginosa), im Juli/September Chrysophyceen (Dinobryon, Chrysococcus), Diatomeen (Asterionella) und Cryptophyceen (Cryptomonas, Rhodomonas); nur im Juni Daphnia longispina


Pflanzennährstoffe und andere Trophieanzeiger im Jahresdurchschnitt (Oberflächenwasser):

 


2000**

2002

Trophiestufe

anorg. Gesamt-Stickstoff (mg/l)


1,93


Gesamt-PO4-Phosphor (µg/l)

27

35

meso-/eutroph

Chlorophyll a (µg/l)

9

12

eutroph

Chlorophyll a - Spitze (µg/l)

18

30

eutroph

Sichttiefe * (m)

0,8

0,8

eu-/hypertroph

 

* auch durch Huminstoffe eingeschränkt; ** nur 6 Messungen

 


2009

2014

Trophiestufe

anorg. Gesamt-Stickstoff (mg/l)

1,21

0,67


Gesamt-PO4-Phosphor (µg/l)

59

40

eutroph

Chlorophyll a (µg/l)

12

13

eutroph

Chlorophyll a - Spitze (µg/l)

20

31

eutroph

Sichttiefe * (m)

0,9

0,9

eu-/hypertroph

 

2009 und 2014 TP-Werte einschließlich Tiefenwasser gleich wie nur Oberflächenwasser


Trophiestufe: 2000 eutroph, e1; 2002, 2009 und 2014 eutroph, e2

Belastungsquellen

– Haslanden, Schlupfen, Herdtle, Elchenreute, Hof am Haslacher Weiher, Gehöft am Oberen Ried im EZG; Haslanden und Elchenreute angeschlossen

– am Ostufer befindet sich ein landwirtschaftliches Anwesen

– 2014 weiterhin hohe Belastungen im kleinen südöstl. Zulauf bzw. dessen seitlichen Zulauf aus NO uh hängigen Acker-/Grünlandflächen

– starke Verlandung

– entwässerte Niedermoorflächen

– Begradigung und Ausbau des Schlupfenbachs

– Badebetrieb


Vorschläge zur Sanierung/Restaurierung

– zentraler Abwasseranschluss der Teilorte

– Extensivierung kritischer landwirtschaftlich genutzter Flächen

– Umsetzung des fischereilichen Bewirtschaftungskonzeptes; Mönchbau

– Umsetzung des Pflegeplans des RPTÜbingen

– Renaturierung des Zulaufs

– Entschlammung; Schlammabsetzbecken im Ablauf für das Ablassen

– im neuen Überlauf fehlt noch (2015) eine Regulierung, um den Wasserstand zur Pflege des Verlandungsgebietes etwas abzulassen





Umsetzung / Maßnahmen

Abwasser

– 2000 Haslach angeschlossen; dezentral weiterhin Herdtle (biol. KKA), Rotes Haus (biologische KKA), Bahnwärter (geschlossene Grube) (so auch 2011)

Landwirtschaft

– 2000 Extensivierungsplanung für die landw. genutzten Flächen im EZG (Trautmann)

– Beratung der Landwirte im Hinblick auf eine Verminderung der Nährstoffausträge aus den landwirtschaftlich genutzten Flächen

– extensivierte Flächen:

 

Jahr

Hektar

Kosten

Jahr

Hektar

Kosten

Jahr

Hektar

Kosten

2000

7,2

5.040 DM

2006

30,3

12.900 €

2013

10,7

4.060 €

2001

15,1


2007

16,7

7.790 €

2014

10,7

3.780 €

2002-03

14,7

4.480 €

2008

19,9


2015

8,7

3.760 €

2004

17,0


2009-11

10,6

3.420 €




2005

18,6


2012

12,2

4.280 €




 



Renaturierung

– 2002 Gewässerentwicklungsplan durch Büro Mayer, Biberach

– Pflegeplan des RPTÜbingen wird umgesetzt; 2003 wurde die Pflege und Gewässerunterhaltung zwischen RP und LRA (PRO REGIO) abgestimmt; 2011 war der Wasserstand auf den Pflegeflächen zu hoch, das Holzwehr muss etwas abgesenkt werden

Sonstiges

– bootsfahrende Angler erst ab 15. Juli erlaubt; im Verlandungsbereich Angeln verboten

– 1995 Vertiefung des Gewässers rund um den Rechen am Überreich zur Verbesserung des Wasserablaufs

– 2003 fischereiliches Bewirtschaftungskonzept (Phillipson)

– 2006 für das kommende Ablassen/Wintern 2007 im Zulauf Holzwehr eingebaut, damit Trüsche und Schlammpeitzger im Bach Ersatzlebensraum haben

– das 2007 geplante Absetzbecken wird nun doch nicht gebaut; die drei für das Ablassen eingebauten Schlammsperren im Bach sollen genügen

– 2008 Bau eines Mönchs und Sömmerung; bei der Wiederbespannung festgestellt, dass Anschluss zwischen Mönch und Grundablass undicht; daher Inliner eingezogen

– 2016 Weiher zu hoch angestaut, so dass Streuwiesenflächen zu stark vernässen;
Anfang 2016 Absenkung auf genehmigte Höhe, Begleitung des Feuchtezustands übers Jahr

Letzte redaktionellen Änderungen Mai 2916