Luftbild (© Luftbildagentur Frank Hofmann), Tiefenkarte und Ausschnitt topografische Karte (das hydrologische Einzugsgebiet des Ebenweiler Sees ist rot umrandet)

Ebenweiler Weiher

seit 2000 im SOS

Gemeinde Ebenweiler, Lk. RV TK 8023/22, 8122/23

am EZG zusätzlich beteiligt: Eichstegen, Guggenhausen, Unterwaldhausen, Hoßkirch

Schutzstatus: NSG („Ebenweiler See“; seit 1991; 115 ha), FFH, § 33-Biotop

Eigentümer: Paul Linz Pächter: ab 2007 verpachtet an Angelverein Pfullingen

Landwirtschaftliche Struktur im Einzugsgebiet (Stand 2016):

Wald

Grünland

Ackerland

Sonderkulturen

Wohnbebauung

45 %

15 %

35 %

 

5 %

Untersuchungen am Ebenweiler Weihers:

untersucht von

Jahr

Gegenstand

untersucht von

Jahr

Gegenstand

ISF (Roßknecht;1992)

1988

Limnologie

Wurm

2007

Limnologie

Wurm (Voruntersuch)

2000 (6x)

Limnologie

Wurm

2012

Limnologie

Wurm

2002

Limnologie

 

 

 

Literatur: BNL-Tübingen (NSG), Hölzinger 1987, Konold 1987, LfU 1994, Pfadenhauer 1985, Prinzinger 1991/99, Rossknecht 1992

Entstehung/Umgebung: als Schmelzwassersee vor ca. 15 000 Jahren in einer weiten vermoorten Talmulde, begrenzt von steilen Moränenrücken; nach weitgehender Verlandung wurde der E. See 1485 aufgestaut, daher Ebenweiler Weiher; im SO Damm

Geschützter Bereich umfasst Weiher, angrenzende Röhrichtzone, Bruchwälder, ehemalige Streuwiesen sowie umgebenden Grünlandgürtel; das damit eingeschlossene Ebenweiler Ried (ein Verlandungsniedermoor) ist vermutlich das mächtigste Niedermoor Oberschwabens mit einer bis zu 12,5 m dicken Torfschicht

Bewirtschaftung: extensive Angelfischerei; kein Besatz; früher alle 3 Jahre abgelassen; seit 1964 nicht mehr, da Wasser für Sägewerk benötigt wird; Verlandung im Uferbereich soll durch Pflege entgegengewirkt werden; Ablassen mit Winterung geplant seit 2007, aber immer wieder verschoben; Verschlammung angeblich gering, Fischbestand gut; nur Grundablass

Hydrologische Daten: Verlandungszone 64 ha

EZG

Wasserfläche

max. Tiefe

mittlere Tiefe

Volumen

1268 ha

7,0 ha

3 m

2,0 m

141 000 m3

Zulauf Mühlbach aus Dornenweiher und Bach aus dem Egger Ried; weitere Zuflüsse mit geringen Mengen (teils Quellen) aus W und S münden in der Südwestecke

Ablauf Mühlbach im Osten über Wehr, in Ortslage verdolt, Hühler Ach, Schussen

Flora und Fauna /Daten Wasserchemie: im N und NW großer Verlandungsbereich mit Schilfröhricht und Großseggenried; am Westufer Schneidröhricht; Verbuschung, da Streugewinnung aufgegeben;
kalkhaltiges Wasser aus den Hängen führt zur Bildung von Kalkniedermooren; Bruchwald mit Erlen und Grauweiden; Teichmuschel; Biber seit 2014;
1990 Nuphar lutea, Nymph. alba, Pot. crispus, Utricularia; 2000 nur Nuphar lutea (Wurm); 2002 Nuphar lutea, Pot. crispus, - obtusifolius, Chara sp., Myrio. verticillatum, Lemna minor, Utricularia vulgaris (Wurm); 2007 „verkrautet“ mit Myrio. verticillatum, Cerato. demersum, Nuphar lutea, Nymph. alba, Pot. lucens; fast keine Characeen und Potamogeton (Wurm);

2008 Myrio. verticillatum, Cerato. demersum, Nuphar lutea, Nymphaea alba, Pot. crispus, - obtusifolius, Utricularia vulgaris, Spirodela polyrhiza (Bolender); 2011 Myriophyllum verticillatum, Ceratophyllum demersum, Nuphar lutea, Nymphaea alba, Potamogeton crispus, - obtusifolius, -lucens, Spirodela polyrhiza (Bolender);

Fische: Hecht, Wels, Karpfen, Rotauge, Rotfeder, Bitterling, Schleie, Brachse, Aal, Graskarpfen (auch 2011); mehrfach Fischsterben; Biber

Vögel: wg. ausgedehnten Schilfbereichen und Streuwiesen Rastplatz (auf Vogelzug-strecke) und Rückzugsgebiet für viele seltene Vögel wie Rohrweihe, große Rohrdommel, Zwergrohrdommel, Wasserralle und Teichrohrsänger

2000 TP max (67 µg/l) im Dezember, Chloro max im Oktober; Sauerstoffübersättigung bis 172 %;

2002 TP max (58 µg/l) im Mai, Chloro max im Okt; Sauerstoffübersättigung bis 143%; keine Daph.;

2007 TP max (68 µg/l) und Chloro max im April; Sauerstoffübersättigung bis 186 %; am Grund nicht anaerob, aber leichte P-Anreicherung (89 µg TP/l); mäßige Algenblüten (Dinobryon divergens, Cryptomonaden, Oscillatoria); Makrophyten teilweise durch Überwucherung mit fädigen Jochalgen abgestorben; keine Daphnien;

2012 TP max (60 µg/l) im August, Chloro max im Juli; Sauerstoffsättigung 54 - 166 %; pH bis 8,3; im Juli/August ab 1,8 m anaerob; am Grund Nährstoffanreicherung (273 µg TP/l, 0,32 mg NH4-N/l); Chrysophyceen (Dinobryon divergens), Chlorophyceen (Pandorina morum), Diatomeen (Fragilaria, Centrales); keine Daphnien (Fischbestand?); im Juni hoher Nährstoffeintrag über Hauptzulauf; Ablassen mit Winterung wichtig (Regulierung Fischbestand; Graskarpfen entfernen)

Pflanzennährstoffe und andere Trophieanzeiger im Jahresdurchschnitt (Oberflächenwasser):

 

1988

2000*

2002

2007

2012

Trophiestufe

anorg. Gesamt-Stickstoff (mg/l)

1,18

 

1,17

0,41

0,85

 

Gesamt-PO4-Phosphor (µg/l)

103

50

40

37

42

eutroph

Chlorophyll a (µg/l)

30

37

16

16

22

eutroph

Chlorophyll a – Spitze (µg/l)

 

85

33

27

44

eutroph

Sichttiefe (m)

0,6

1,3

1,3

1,9

1,6

eutroph

* nur 6 Messungen; 2007 einschl. Tiefenwasser 38 µg TP/l, 2012 47 µg TP/l

Trophiestufe: 2000 eutroph, e2; 2002 eutroph, e1-e2; 2007 eutroph, e1, 2012 eutroph, e2

Belastungsquellen
– Watt, Ratzenreute, Meisterhaus, Käfersulgen, Kreenried, Teile von Bauhof, Luegen, Brunnen, Egg, Oberholz im EZG; Ende 1980er Abwasser geregelt (Stand 1999), aber noch Fehlanschlüsse im Ortsbereich Egg und Kreenried (Wurm 2002/07/12); 2013 in einer Dole am Zulauf 244 µg o-PO4-P/l und 560 µgTP/l
– intensive Acker- und Grünlandnutzung; zahlreiche entwässerte Niedermoorflächen, Ackerbau in Hanglage; fehlende Pufferstreifen an Zuläufen, die bei Regen mit Schlamm und Gülle belastet sind (insbesondere Zulauf aus Egg und Luegen);
2013 starke Gülleausbringung in Bachnähe
– bis 1988 wurden in den feuchten Wiesen Entwässerungsgräben und Drainagen angelegt; die Gräben und der Mühlbach werden alle 3 Jahre im Winter geräumt
– Fischtümpel im Ried, Gänsezucht in Kreenried
– Badebetrieb, Freibad, Camping

Vorschläge zur Sanierung/Restaurierung
– zentraler Abwasseranschluss überprüfen; Fehlanschlüsse möglich
– Beseitigung punktueller Belastungsquellen v.a. in Egg und Kreenried
– Extensivierung kritischer landwirtschaftlich genutzter Flächen
– Wiedervernässung; Grabenräumung einstellen
– Ablassen und evtl. Wintern in größeren Abständen; Bau von Absetzbecken und Mönch
– Renaturierungen
– Umsetzung Pflegeplan des RPTÜbingen (1993; Ute Reinhard)

Umsetzung / Maßnahmen

Abwasser
– 2003 Eintrag aus Fahrsilo in Kreenried abgestellt– 2008 Überprüfungen auf Fehleinleitungen in Egg und Kreenried durch LRA; bei einem Anwesen abgestellt
– 2009 Direkteinleitung von Waschküchenabwässern beim Anwesen Brugger (Guggenhausen-Egg 6) beseitigt, angeschlossen an öffentliche Kanalisation

Landwirtschaft
– 2000 Extensivierungsplanung für die landw. genutzten Flächen im EZG (Trautmann)
– Beratung der Landwirte im Hinblick auf eine Verminderung der Nährstoffausträge aus den landwirtschaftlich genutzten Flächen
– extensivierte Flächen:

Jahr

Hektar

Kosten

Jahr

Hektar

Kosten

Jahr

Hektar

Kosten

2000

13,4

8.050 DM

2005

57,5

 

2010-11

35,6

 

2001

22,1

 

2006

60,8

19.100 €

2012

34,5

10.000 €

2002

28,4

7.220 €

2007

47,8

13.700 €

2013

34,7

10.020 €

2003

38,7

 

2008

44,1

 

2014

32,4

9.490 €

2004

47,9

 

2009

39,9

 

2015

67,4

12.850 €

Renaturierung
– Pflegeplan des RPTÜbingen wird durchgeführt
– 2001 Gewässerentwicklungsplan von Dr. Fitz, Salem
– 2001/02 hat die Naturschutzverwaltung einige randständige Grundstücke erworben
– geplant von der Gemeinde ist ein Flurneuordnungsverfahren zur Gewinnung von Gewässerrandstreifen entlang des Mühlbachs

Sonstiges
– 2002 fischereiliches Bewirtschaftungskonzept (Phillipson)
– 2007 Planung eines Schlammabsetzbeckens im Ablauf für das Ablassen des Weihers
(350 m3; 11 000 €); Mönch soll nach dem nächsten Ablassen gebaut werden; 2010 Antrag nach FrWw (Förderrichtlinien Wasserwirtschaft) gestellt; Bau geplant 2011; Stand 2011: Eigentümer möchte doch nicht bauen, reservierte Fördermittel werden nicht mehr eingesetzt
– 2014 Einbau eines Biberschutzgitters am Damm

 

Letzte redaktionellen Änderungen Juli 2016