Seit 1989 im SOS
Stadt Bad Waldsee, Lk. RV TK 8024 + 8124
am Einzugsgebiet zusätzlich beteiligt: Bergatreute, Wolfegg
Schutzstatus: keiner
Eigentümer: Stadt Bad Waldsee
Landwirtschaftliche Struktur im Einzugsgebiet:
|
Wald |
landw. Nutzfläche |
davon: Grünland |
davon: Ackerland |
davon: Sonderkulturen |
|
22 % |
59 % |
700 ha (61 %) |
440 ha (38 %) |
15 ha (1 %) |
|
landw. Betriebe |
Betriebsgröße |
Viehbestand |
Viehbesatz |
Güllelagerkapazität |
|
|
ha |
GV |
2,2 GV/ha |
5 Monate |
Untersuchungen des Stadtsees:
|
untersucht von |
Zeitraum |
Gegenstand |
untersucht von |
Zeitraum |
Gegenstand |
|
Uni Tü (Kracht) |
1982 |
Limnologie |
Uni Tü (Mai) |
1994-95 |
Limnologie |
|
Uni Hoh (Schuster) |
1986 |
Limnologie |
Uni Tü (Mai) |
1996/97 |
Limnologie |
|
Uni Tü (Lorenz) |
1985-88 |
Limnologie |
Fürst (5 x) |
5.- 9.2002 |
TWA |
|
Uni Tü (Wurm) |
1990-91 |
Zulauf |
ISF |
2004 |
Limnologie, TWA |
|
Uni Tü (Keller) |
1991(¼-jhrl.) |
Limnologie |
Fürst |
2010 |
Limnologie |
|
FFS (Dehus) |
1993 |
Fischbestand |
|
|
|
Entstehung: gegen Ende der letzten Eiszeit vor 16 000 Jahren
Bewirtschaftung: Angelfischerei; Besatz 2010 mit Zander, Hecht, Karpfen, Schleie;
Hydrologische Daten: geschichtet; Aufenthaltszeit 0,2 Jahre
|
EZG |
Wasserfläche |
max. Tiefe |
mittlere Tiefe |
Volumen |
|
1975 ha |
14,7 ha |
11,5 m |
7,2 m |
1 055 000 m3 |
|
Zulauf Urbach (135 l/sec) und Bach von Hopfenweiler |
||||
|
Ablauf über Pfaffenbach, Schlosssee, Steinach in Schussen |
||||
Sediment: Faulschlamm; 1995 Pges 1,1 mg/g TS, Glühverlust 12% (? organischer Anteil);
Flora und Fauna: von meist nur schmalem Ufergürtel umgeben; im O und N Freibadgelände u. Parkanlage; etwas Nymphaea alba, sonst keine Makrophyten; Blaualgenblüten bis 1985; danach über einige Jahre Diatomeen;
|
|
Frühjahr |
Sommer |
Herbst |
|
1980 |
Oscillatoria red.,Cyclotella c. |
Oscillatoria redeckei |
Oscillatoria.red., Cryptoph. |
|
1985 |
Synedra ulna, Oscil. agardii |
Oscil. agardii, Diatomeen |
Diatomeen, Chlorophyceen |
|
1987 |
Asterionella f.,Synedra ulna |
Diatomeen, Dinophyceen |
Diato.,Dinophy.,Chrysophy. |
|
1991 |
Asterionella formosa |
Diatomeen, Chrysophy. |
Cryptophyceen |
|
1994 |
|
Synedra acus |
Asterionella f., Chrysophy. |
|
1995 |
Asterionella formosa |
Diatomeen |
|
Inzwischen immer mal wieder Blaualgen, Cladoceren fehlen; Blaualgenblüten z.B. 03+07 (Microcystis + Anabaena), dazwischen Grünalgenblüten (z.B. Chlamydomonas);
2004 Nuphar lutea (Herz); 2007 Nuphar lutea, Myriophyllum spic.;
Fische 1993: Rotauge, Ukelei, Rotfeder, Aal, Zander, Hecht, Brachse, Barsch, Karpfen, Wels; 2000 auch Schleie, Döbel, Moderlieschen
im Sommer 1998 Aalsterben (ca. 450 Aale) mit unbekannter Ursache
Fischbestandserhebung 10/2003: gleiche Arten, jedoch besser aufgewachsen als 1993; Ursache eventuell gute Benthosbesiedelung da O2 bis Grund; Bestände an Cypriniden (v.a. Rotaugen, Brachsen) niedriger als z.B. in Lengenweiler See und Karsee;
1985-1989: Entwicklung von polytrophen zu eutrophen Zustand; TWA (in ca. 10 m Tiefe) führte zu Nettoexport von Phosphor.
1994/95: Bestätigung der Trophieverbesserung; TWA jedoch nicht optimal eingesetzt (zu hoch zwischen 6-8 m wg. Geruchsbelästigung); Sauerstoffsättigung max. 194%; anaerob im Juni ab 3,5 m; H2S ab 7 m; Anreicherung über Grund bis 6,71 mg NH4-N/l, 387 µg o-P/l, 760 µg TP/l (über den Werten von 1987); Umwälzung Ende Nov; Phosphorimport wieder größer als Export über Seeauslauf + TWA (255 bzw. 186 kg P/a); dauerhafte Installation der TWA direkt über Grund erforderlich; Ursache der Trophieverbesserung anfangs durch TWA, später eher durch Abnahme der Belastung im Zulauf.
1996/97: März bis Nov geschichtet; Sauerstoffsättigung max. 190 %, Juni-Okt ab 3,5-4,5 m anaerob; max. Phosphorwerte am Grund 0,73 mg/l, H2S-Bildung; Dominanz von Chlorophyceen (Chlamydomonas) und Diatomeen (Asterionella formosa, Synedra acus, Stephanodiscus hantzschii). Cladoceren fehlen fast völlig.
2002: TWA in diesem Jahr effektiv eingestellt; da die 10°C-Isotherme den ganzen Sommer über im Hypolimnion liegt, kann über Wassertemperaturmessung am Auslauf der TWA die richtige Lage überprüft werden; die Konzentrationen an P im Auslauf (o-P 165 bzw. Ges.-P 280µg/l) deutlich über denen im See in 9 m Tiefe (o-P 58 bzw. Ges.-P 115µg/l), Ursache hierfür eventuell TWA tiefer als Probenahmestelle oder Mitnahme von Porenwasser aus Sediment
2004: Juni-Oktober ab 4 m anaerob; keine Algenblüten; keine großen Daphnien; Fraßdruck durch Fische daher vermutlich hoch; P-Werte in der TWA nur unwesentlich höher (47 µg/l) als im Ablauf (40 µg/l); somit keine erhöhte P-Abfuhr aus dem Tiefenwasser 2004; dies passt zu dem überraschend gering ausgeprägten P-Tiefengradienten im See (geringe P-Freisetzung trotz langfristiger Sauerstoff-Freiheit und steilem NH4-Gradienten; nur direkt über Grund P erhöht); Betrieb der TWA weiterhin sinnvoll; Nährstoffeintrag über den Zulauf deutlich geringer als früher, jedoch zeitweise v.a. bei Regenereignissen (Regenüberlaufbecken?) immer noch zu hoch; eine Befischung mit Kiemen- und Trappnetzen erscheint sinnvoll
2010: vom Oberflächenwasser her gegenüber 2004 etwas gebessert wg. geringem Algenwachstum in Mai und Juni, viel Daphnia cucullata (im Gegensatz zu früher); Tiefenwasser zeigt jedoch Verschlechterung; Ursachen hierfür erhöhter Nährstoffeintrag über Zulauf sowie außer Funktion gesetzter TWA (ab Mai wg Beschwerden der Anwohner nach oben gezogen); Entwicklung sichtbar im Oberflächenwasser erst im November, wo P aufgrund Umwälzung stark anstieg (TP max 153 µg/l); im Sommer starke Nährstoffanreicherung am Grund (NH4-N 1,5 mg/l; o-PO4-P 245 µg/l, Gesamt-PO4-P 292 µg/l); im September Chlorophyll max (Blaualgen) und ab 5 m unter 2 mg O2/l, aber auch am Grund nicht anaerob; H2S-Geruch;
Pflanzennährstoffe und andere Trophieanzeiger im Jahresdurchschnitt:
|
|
1985 |
1987 |
1988 |
1994 |
1996 |
1997 |
Trophiestufe |
|
anorg. Gesamt-Stickstoff (mg/l) |
|
|
|
3,71 |
|
2,38 |
|
|
Gesamt-PO4-Phosphor(µg/l) |
130 |
100 |
54 |
63 |
46 |
40 |
eutroph |
|
Chlorophyll a (µg/l) |
|
33 |
20 |
34 |
45 |
20 |
eutroph |
|
Chlorophyll a - Spitze (µg/l) |
|
62 |
57 |
50 |
81 |
34 |
eutroph |
|
Sichttiefe (m) |
|
|
1,4 |
1,3 |
1,1 |
1,0 |
hoch eutroph |
|
|
2002* |
2004 |
2010 |
Trophiestufe |
|
anorg. Gesamt-Stickstoff (mg/l) |
1,78 |
1,99 |
1,88 |
|
|
Gesamt-PO4-Phosphor(µg/l) |
61 |
42 |
80 |
eutroph |
|
Chlorophyll a (µg/l) |
23 |
51 |
24 |
eutroph |
|
Chlorophyll a - Spitze (µg/l) |
57 |
108 |
62 |
eutroph |
|
Sichttiefe (m) |
1,0 |
1,0 |
1,3 |
hoch eutroph |
* nur 5 Messungen, trotzdem einschließlich Tiefenwerte
Trophiestufe: 1987,1994,1996 eutroph, e2; 1997 eutroph, e1; 2002, 2004, 2010 eutroph, e2
Sanierungs- bzw. Restaurierungsversuche am Stadtsee in der Vergangenheit:
– bereits in den 1930er Jahren Stadtsee in polytrophem Zustand (Einsele)
– Bau von Abwassersammlern Anfang der 1950er, 1971 und 1978
– 1972 Zwangszirkulationen durch „Umwälzbelüfter“ führten zu Nährstoffanreicherung im Epilimnion und Sauerstoffmangel
– 1976 Versuch der Phosphatfällung mit Aluminium- und Eisensulfaten; wurde schnell eingestellt, da zu ineffektiv
– 1977/78 Teilentschlammung im Bereich Urbachmündung; Aufgabe nach Entfernung von 20 000 m3 Schlamm aus einem kleinen Bereich wg. mangelnder Deponiefläche
– Juni 1985 Installation einer Tiefenwasserableitung (? 30 cm), die nährstoffreiches Wasser aus dem Hypolimnion in den Pfaffenbach fördert (22 l/sec)
– 1988/89 Biomanipulation des Fischbestandes durch Abfischen planktivorer Kleinfische (3 t) und Besatz mit Jungzandern
Vorschläge zur Sanierung/Restaurierung
– Sanierungsmaßnahmen im Bereich Abwassereinleitungen und RÜB
– Extensivierung kritischer landwirtschaftlich genutzter Flächen
– Tiefenwasserableitung optimieren; Untersuchungen 2010 zeigen, dass TWA weiterhin dringend erforderlich ist, und auf eine wirksame Tiefe abgelassen werden muss
– Entnahme von zooplanktivoren Fischen; Schaffung von Flachwasserbereichen
– Renaturierung des Urbachs
Umsetzung / Maßnahmen
Abwasser
– 1996 - 98 Anschluss von Oberurbach, Volkertshaus, Binzen, Neuurbach, Wolpertsheim, Hopfenweiler, Engetweiler, Furt, Ganters, Rossberg, Poppenhaus
– Vorderurbach bleibt dezentral (geschlossene Gruben)
– Regenrückhaltung in Mittelurbach verbessert; zwei Becken sind gebaut (1996/97)
– damit sind die Maßnahmen im Abwasserbereich weitestgehend erledigt
Nährstoffkonzentrationen in der TWA:
|
|
1994 |
|
Nitrat-Stickstoff (mg/l) |
2,47 |
|
anorg. Gesamt-Stickstoff (mg/l) |
3,09 |
|
o-PO4-Phosphor (µg/l) |
19 |
|
Gesamt-PO4-Phosphor (µg/l) |
66 |
|
BSB5 (mg/l) |
2,1 |
|
Wasserführung (l/sec) |
22 |
Belastungsquellen
– 12 Teilorte (darunter Engetweiler, Furt, Oberurbach, Rossberg, Poppenhaus, Volkertshaus; 349 Einw.) ohne Kläranlagenanschluss (Stand 1991)
– im Einzugsgebiet mehrere RÜB (Unterurbach, Mittelurbach, Bad Waldsee)
– zahlreiche entwässerte Niedermoorflächen; Hanglagen zum Urbach hin (auch ackerbaulich genutzt); begradigter Bach ohne Pufferstreifen
– Badebetrieb, Freibad
Sanierungs- bzw. Restaurierungsversuche am Stadtsee in der Vergangenheit:
– bereits in den 1930er Jahren Stadtsee in polytrophem Zustand (Einsele)
– Bau von Abwassersammlern Anfang der 1950er, 1971 und 1978
– 1972 Zwangszirkulationen durch „Umwälzbelüfter“ führten zu Nährstoffanreicherung im Epilimnion und Sauerstoffmangel
– 1976 Versuch der Phosphatfällung mit Aluminium- und Eisensulfaten; wurde schnell eingestellt, da zu ineffektiv
– 1977/78 Teilentschlammung im Bereich Urbachmündung; Aufgabe nach Entfernung von 20 000 m3 Schlamm aus einem kleinen Bereich wg. mangelnder Deponiefläche
– Juni 1985 Installation einer Tiefenwasserableitung, die nährstoffreiches Wasser aus dem Hypolimnion in den Pfaffenbach fördert (22 l/sec)
– 1988/89 Biomanipulation des Fischbestandes durch Abfischen planktivorer Kleinfische (3 t) und Besatz mit Jungzandern
Vorschläge zur Sanierung/Restaurierung
– Sanierungsmaßnahmen im Bereich Abwassereinleitungen und RÜB
– Extensivierung kritischer landwirtschaftlich genutzter Flächen
– Tiefenwasserableitung optimieren; Untersuchungen 2010 zeigen, dass TWA weiterhin dringend erforderlich ist, und auf eine wirksame Tiefe abgelassen werden muss
– Entnahme von zooplanktivoren Fischen; Schaffung von Flachwasserbereichen
– Renaturierung des Urbachs
Umsetzung / Maßnahmen
Abwasser
– 1996 - 98 Anschluss von Oberurbach, Volkertshaus, Binzen, Neuurbach, Wolpertsheim, Hopfenweiler, Engetweiler, Furt, Ganters, Rossberg, Poppenhaus
– Vorderurbach bleibt dezentral (geschlossene Gruben)
– Regenrückhaltung in Mittelurbach verbessert; zwei Becken sind gebaut (1996/97)
– damit sind die Maßnahmen im Abwasserbereich weitestgehend erledigt
Landwirtschaft
– 1995 Extensivierungsplanung für die landw. genutzten Flächen im EZG (Trautmann)
– Beratung der Landwirte im Hinblick auf eine Verminderung der Nährstoffausträge aus den landwirtschaftlich genutzten Flächen
– extensivierte Flächen:
|
Jahr |
Hektar |
Kosten |
Jahr |
Hektar |
Kosten |
Jahr |
Hektar |
Kosten |
|
1994 |
16,2 |
|
2000 |
52,8 |
26700,- DM |
2006 |
54,9 |
15 040,- € |
|
1995 |
16,2 |
8930,- DM |
2001 |
55,9 |
|
2007 |
45,7 |
11 700,- € |
|
1996 |
16,2 |
8930,- DM |
2002 |
56,6 |
14 570,- € |
2008 |
45,5 |
|
|
1997 |
63,6 |
34160,- DM |
2003 |
52,4 |
|
2009 |
28,7 |
|
|
1998 |
50,6 |
24030,- DM |
2004 |
57,4 |
|
2010 |
28,7 |
|
|
1999 |
53,0 |
|
2005 |
61,2 |
|
2011 |
28,6 |
|
Renaturierung
– 1991 Gewässerentwicklungsplan (Harbauer, Esslingen)
– 1995 bis 1998 Renaturierung des Urbachs vom Kurmittelhaus (Bad Waldsee) bis Krummhalde sowie zwischen der Reithalle und Unterurbach
– 1997 neue Planung für Urbach (Mittelurbach bis Quelle) von Trautmann/Rupp mit einfacheren Umsetzungsmaßnahmen (GEP von Harbauer kaum zu verwerten)
– geplant ist die Renaturierung des Urbachs zwischen Mittelurbach und Engetweiler sowie seitlicher Zuflüsse bei Rossberg und Oberurbach
Sonstiges
– 2002 Überprüfung der Wirksamkeit der TWA mit positivem Ergebnis (Fürst; s.o.)
– 2004 fischereiliche und Plankton-Untersuchungen wegen evtl. Biomanipulation in 2005 (IFS/FFS);