Luftbild (© Luftbildagentur Frank Hofmann), Tiefenkarte und Ausschnitt topografische Karte (das hydrologische Einzugsgebiet des Schleinsees ist rot umrandet)

Schleinsee

Lage: Bodenseekreis, Gemeinde Kressbronn (TK  8323)

Entstehung: gegen Ende der letzten Eiszeit vor 15 000 Jahren

Schutzstatus:  Landschaftsschutzgebiet, FFH-Gebiet

Landnutzung im Einzugsgebiet:  20 % Wald und 70 % landwirtschaftliche Nutzfläche; davon sind 95 % Grünland und 5 % Ackerland

Eigentümer: privat

Pächter: nicht verpachtet

Bewirtschaftung: Angelfischerei; bis 1998 an den Württembergischen Angelverein verpachtet, der einen teilweise sehr hohen Karpfenbesatz vornahm; seit 1999 wird der See vom Besitzer selbst mit einem geringen Hechtbesatz bewirtschaftet

Hydrologische Daten:

Einzugsgebiet

Wasserfläche

max. Tiefe

mittlere Tiefe

Volumen

48 ha

14,1 ha

12,1 m

6,9 m

966 000 m3

kleiner oberirdischer Zulauf sowie Quellen und Drainagen; eventuell unterirdisch vom Degersee

Ablauf zur Argen

Sediment: 1997 Pges 0,7 mg P/g TS; Glühverlust 47 %

Flora und Fauna: Nymphaea alba, Nuphar lutea, Ceratophyllum demersum, Myriophyllum spicatum, Elodea canadensis; 2004 wie 2007 Nymphaea alba, Nuphar lutea, Ceratophyllum demersum, Myriophyllum spicatum; Kiesel- und Grünalgen; Blaualgen nur in geringer Dichte

Fische 1994: Rotauge, Karpfen, Brachse, Rotfeder, Aal, Hecht, Barsch, Zander, Schleie, Karausche, Wels, Ukelei

Ein 1937-39 durchgeführter Düngeversuch mit Phosphat (über 100 kg) hatte enorme Auswirkungen auf die Anaerobie, die in der Folge von 10 auf 6 m anstieg. Davon konnte sich der See kurzfristig, aber nicht völlig erholen. Der Phosphor-Gehalt im Freiwasser fiel wieder auf Werte unter 30 µg/l (EINSELE 1941). Ab 1984 erfolgte im größten landwirtschaftlichen Anwesen des Einzugsgebiets eine Verdoppelung des Viehbestandes einher gehend mit der Umstellung von Trockenmist auf Flüssigmist. Ab 1986 kam es zunehmenden zu Algenblüten (Blaualge Oscillatoria redeckei; max. pH-Wert 10,2); auch z.B. 1990 ganzjährig fädige Blaualgen.

Nach Extensivierungsverträgen auf den angrenzenden Wiesen ab Januar 1991 war eine deutliche Verbesserung der Situation im See zu beobachten. Ab Jahresmitte 1991 verschwand die Algenblüte von Oscillatoria relativ rasch (Massenentwicklung von Daphnia longispina); ab 1992 keine Oscillatoria - Blüten mehr.

2005 und 2006 im Frühjahr erneut Blaualgen, weswegen 2007 ganzjährig wieder untersucht wurde: Verdacht einer erneuten Verschlechterung bestätigt; Ursache ist intensiveres Bewirtschaften der umliegenden Felder sowie punktuelle Nährstoffeinträge; im Sommer See ab 5 m sauerstofffrei;

 
Pflanzennährstoffe und andere Trophieanzeiger im Jahresdurchschnitt: 

 Jahr

1986

1994

1995

1999*

2007

Trophiestufe

anorg. Gesamt-Stickstoff (mg/l)

0,59

4,08

 

0,53

0,67

 

Gesamt-PO4-Phosphor  (µg/l)

122

50

55

31

57

eutroph

Chlorophyll a  (µg/l)

29

16

 

12

20

eutroph

Chlorophyll a - Spitze  (µg/l)

 

 

 

23

45

eutroph

Sichttiefe  (m)

1,8

1,7

2,4

2,3

1,7

eutroph

* nur Oberflächenwasser, wirkt sich auf den Mittelwert jedoch vermutlich nur wenig aus

Trophiestufe:  1986 eutroph  /  1999 meso-eutroph  /  2007 eutroph, e1

 
Nährstoffkonzentrationen im Zulauf des Schleinsees (2007):

Nitrat-Stickstoff  (mg/l)

1,37

anorg. Gesamt-Stickstoff (mg/l)

1,44

o- PO4-Phosphor  (µg/l)

11

Gesamt-PO4-Phosphor  (µg/l)

69

Wasserführung  (l/sec)

2


Belastungsquellen:

  • eine Ortschaft (17 Einw.) ohne Kläranlagenanschluss (1991)
  • entwässerte Niedermoorflächen; landwirtschaftlich genutzten Flächen mit teilweise starker Hangneigung bis an den See; Pufferstreifen fehlt
  • ungenehmigte Wochenendhäuser am Südostufer
  • 2004 wurde ein Steg gebaut und das Ufer in diesem Bereich massiv befestigt
  • 2006 Verdacht auf punktuelle Nährstoffeinträge (Silosickersaftbehälter)

 
Vorschläge zur Sanierung/Restaurierung:

  • zentraler Abwasseranschluss
  • Extensivierung kritischer landwirtschaftlich genutzter Flächen
  • Überprüfung der Wochenendhäuser
  • aufdecken und abstellen punktueller Nährstoffeinträge

 
Umsetzung / Maßnahmen:

Abwasser

  • 1996 Anschluss der Ortschaft
  • 2007 eine punktuelle Nährstoffquelle beseitigt (Hofabwässer)

 
Landwirtschaft

  • 1995 Extensivierungsplanung für die landwirtschaftlich genutzten Flächen im Einzugsgebiet (Trautmann)
  • Beratung der Landwirte im Hinblick auf eine Verminderung der Nährstoffausträge aus den landwirtschaftlich genutzten Flächen
  • extensivierte Flächen:

Jahr

Fläche in ha

 

Jahr

Fläche in ha

 

Jahr

Fläche in ha

1991

10,1

 

1998

10,7

 

2005

11,3

1992

10,1

 

1999

12,1

 

2006

12,3

1993

10,1

 

2000

12,1

 

2007

10,5

1994

10,1

 

2001

12,1

 

2008

8,7

1995

11,0

 

2002

12,1

 

2009

9,9

1996

11,6

 

2003

12,1

 

2010 9,8
1997 10,9 2004 11,3


Renaturierung

  • die Erstellung eines Gewässerentwicklungsplans ist nicht erforderlich

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