Luftbild (© Luftbildagentur Frank Hofmann), Tiefenkarte und Ausschnitt topografische Karte (das hydrologische Einzugsgebiet des Premer Weihers ist rot umrandet)

Premer Weiher

Von 2000 - 2010 im SOS

Gemeinde Wolfegg, Lk. RV TK 8224

am Einzugsgebiet zusätzlich beteiligt: Kisslegg

Schutzstatus: NSG („Premer Weiher“; seit 1990; 7,24 ha), §32-Biotop

Eigentümer: privat

Landwirtschaftliche Struktur im Einzugsgebiet (Stand 2003):

Wald

landw. Nutzfläche

davon: Grünland

davon: Ackerland

davon: Sonderkulturen

15 %

80 %

97 %

3 %


Untersuchungen am Premer Weiher:

untersucht von

Zeitraum

Gegenstand

untersucht von

Zeitraum

Gegenstand

Fürst (Vorunters.)

2000 (6x)

Limnologie

GWD RV

2008

Limnologie

GWD RV

2002

Limnologie




Literatur: BNL-Tübingen (NSG), Konold 1987, LfU 1994, Pfadenhauer 1985, Prinzinger 1991/99, Hölzinger 1987

Entstehung/Umgebung: 1722 erstmals erwähnter künstlicher Fischweiher; früher im Besitz des fürstlichen Hauses Waldburg-Wolfegg; Schutzgebiet umfasst Weiher, Verlandungszone sowie angrenzende Feuchtwiesen

Bewirtschaftung: Angelfischerei; bis in die 1960er Jahre Teichwirtschaft mit Karpfen u. Schleien und jährlich abgefischt (150 kg/ha*a); damals regelmäßig alle 2 Jahre abgelassen und gewintert; 1970 - 2000 an Fischereiverein Vogt-Wolfegg verpachtet mit Angelfischerei; hoher Besatz mit Karpfen, Zander; 6-jähriger Ablassturnus; 1996 letztmals abgelassen und gewintert; hierbei sehr hoher Bestand an Jungzandern festgestellt; ab 2000 vom Besitzer selbst bewirtschaftet (Besatz mit Hecht, Zander, Wels, um Weißfischbestand zu begrenzen; klappt angeblich gut); kein Ablassen geplant in den nächsten Jahren; Fischerhütte inzw. abgebrochen; im Frühjahr 09 Befischungen mit Trappnetz (einige Karpfen entnommen; Bestand an Weißfischen gering, an Zander und Wels hoch); Befischung soll 2010 wiederholt werden; 2 Mönche; an Edelkrebse im Ablauf denken!

Hydrologische Daten: früher größer (5 ha)

EZG

Wasserfläche

max. Tiefe

mittlere Tiefe

Volumen

33 ha

2,6 ha

2,0 m

1,2 m

30 700 m3

Zulauf über Wiesengräben im Südosten (Z1) und Südsüdwesten (Z2) sowie mehrere kleine Entwässerungsgräben im W, O

Ablauf über Mönch (Tiefenwasserabzug) sowie Überlauf im O, der den weitgehend verlandeten Ostteil des Weihers entwässert; beide Abläufe in Bach, Wolfegger Ach, Schussen

Sediment: dicke Faulschlammschicht; Schlamm wird durch hohen Fischbestand aufgewühlt;

Flora und Fauna: im Osten großer Verlandungsbereich mit Schilfröhricht und Großseggen; durch Fichtenaufforstung in SO wurde ursprünglich vorhandene Pfeifengraswiese verdrängt;
1984 Nymphaea alba, Pot. pusillus, Ranunculus trichophyllus, Polygonum amphibium;

Anfang der 1990er fast makrophytenfrei (Graskarpfen?); in den 1980er und 90er Jahren häufig Blaualgenblüten (Microcystis); Besatz mit Edelkrebsen;
2000 Potamogeton obtusifolius, Potamogeton pusillus (Fürst); keine Blaualgenblüte (Grün-, Gold- und Kieselalgen); große Wasserflöhe;

2001 Nymphaea alba, Potamogeton obtusifolius, - pusillus, Ranunculus trichophyllus, Lemna minor, Utricularia australis (Bolender);

2009 wenig Nymphaea alba, Potamogeton crispus (Phillipson); Wasser stark eingetrübt;

Fische: Karpfen, Hecht, Zander, Wels, Schleie, Rotauge, Rotfeder, Barsch; vermutlich Graskarpfen; kleinere Fischsterben; hohe Besatzdichte

Vögel: Höckerschwan, Teichrohrsänger, Rohrammer, Sumpfrohrsänger, Schafsstelze, Zwergtaucher, Bläss-, Teich-, Wasserralle
früher regelmäßig brütende Schwarzhalstaucher seit 1972 nicht mehr beobachtet;

2008 normaler Phosphoranstieg zum Sommer hin, aber auf sehr hohem Niveau; Maximum im August mit 230 µg Ges.-P/l und 131 µg Chl. a/l; Algenblüten; keine Daphnien; hoher Fischbesatz wirkt sich auch wegen Nährstofffreisetzung über Wühltätigkeit negativ aus


Pflanzennährstoffe und andere Trophieanzeiger im Jahresdurchschnitt (Oberflächenwasser):


2000*

2002

Trophiestufe

2008

Trophiestufe

anorg. Gesamt-Stickstoff (mg/l)


0,55


0,26


Gesamt-PO4-Phosphor (µg/l)

128

113

hoch eutroph

136

hoch eutroph

Chlorophyll a (µg/l)

29

38

eutroph

69

hoch eutroph

Chlorophyll a - Spitze (µg/l)

87

88

eutroph

131

hoch eutroph

Sichttiefe (m)

0,7

0,9

hoch eutroph

0,5

eu- bis hypertroph

* nur 6 Messungen

Trophiestufe: 2002 polytroph, p1; 2008 polytroph, p2

 

Vorschläge zur Sanierung/Restaurierung

– zentraler Abwasseranschluss

– Extensivierung kritischer landwirtschaftlich genutzter Flächen

– Teilentschlammung des Weihers

– Umsetzung des Pflegeplans des RP Tü (früher BNL); Uferpflege des Weihers

– Änderung der fisch. Bewirtschaftung, Bewirtschaftungskonzept, Ablassen mit Winterung

 

Umsetzung / Maßnahmen

Abwasser

– 2001 zwei Anwesen angeschlossen; 5 Anwesen in Speck (1 geschl. Grube, 1 biol. KKA) und Premen (bayer. Lösung) weiterhin dezentral (so auch 2008)

Landwirtschaft

– 2000 Extensivierungsplanung für die landw. genutzten Flächen im EZG (Trautmann)

– Beratung der Landwirte im Hinblick auf eine Verminderung der Nährstoffausträge aus den landwirtschaftlich genutzten Flächen

– extensivierte Flächen:

Jahr

Hektar

Kosten

Jahr

Hektar

Kosten

Jahr

Hektar

Kosten

2000

1,3

1063,- DM

2004

2,2


2008

2,7


2001

2,2

1592,- DM

2005

2,2


2009

1,8


2002

2,2

814,- €

2006

1,8

635,- €

2010

1,8


2003

2,2


2007

1,8

510,- €

2011

1,8


– 2005 Ackerfläche am Ostufer eingesät

Renaturierung

– 2002 Gewässerentwicklungsplan durch Hr. Bauer, Wolfegg

Sonstiges

– 2002 Uferpflegekonzept für den Weiher (Herz)

– 2002 fischereiliches Bewirtschaftungskonzept (Phillipson)

– ab 2003 mit Landwirt Uferpflege-Vertrag; 2005 Entbuschung im Verlandungsbereich

– 2009 Vorschlag vom LRA an Besitzer, wegen schlechtem Gesamtzustand des Weihers ein Ablassen mit Winterung anzustreben

Zurück zur Liste
oder zur Übersichtskarte