Luftbild (© Luftbildagentur Frank Hofmann), Tiefenkarte und Ausschnitt topografische Karte (das hydrologische Einzugsgebiet des Lindenweihers ist rot umrandet)

Lindenweiher

Seit 2000 im SOS

Gemeinde Hochdorf, Lk. BC TK 7924

Schutzstatus: NSG („Vogelfreistätte Lindenweiher“; seit 1939; 49 ha), FFH, VSG, §32-Biotop

Eigentümer: Land Baden-Württemberg,   Pächter: privat

 

Schilf etc.

landw. Nutzfläche

davon: Grünland

davon: Ackerland

davon: Sonderkultur

40 %

60 %

31 %

69 %


Untersuchungen am Lindenweiher:

untersucht von

Zeitraum

Gegenstand

untersucht von

Zeitraum

Gegenstand

Fürst (Vorunters.)

2000 (6x)

Limnologie

Fürst

2007

Limnologie

Fürst

2001

Limnologie




Literatur: BNL-Tübingen (NSG), Botanik-Zirkel Firma Thomae (1981), Prinzinger 1991/99

Entstehung/Umgebung: entstand im 12. Jhd., als man beim Bau einer Burg am nördlichen Ufer des heutigen Weihers einen Damm aufschüttete; damalige Fläche 35 ha; umgeben von den verbliebenen Niedermoorflächen, die bereits vorher existierten;

Bewirtschaftung: Naturschutz im Vordergrund; bis 1971 teichwirtschaftlich betrieben, mind. alle 3 Jahre abgelassen u. gewintert; 1973 im nördlichen Bereich mit Schwimmbagger um 50 cm eingetieft, seither nicht mehr abgelassen; heute extensive Angelfischerei mit geringem Besatz an Karpfen; Maßnahmen aufgrund Fischbestandserhebung 2005: da zu hoher Aal-Bestand, bei Elektrobefischung im Nov. 2005 175 kg Aal (400 Stück) entnommen;  seit Herbst 08 erneute Fischbestandskontrolle geplant; nur Grundablass vorhanden; im nördlichen Bereich Damm undicht (Wasserverlust);

Hydrologische Daten: in den letzten 50 Jahren hat er angeblich die Hälfte seines Wasser-volumens verloren; 1997, 2003 und 2004 sehr niedriger Wasserstand (ca. 50 cm unter normal) wg. Trockenheit und sinkendem Grundwasserspiegel (wg. Tieferlegung der Riss)

EZG

Wasserfläche

max. Tiefe

mittlere Tiefe

Volumen

94 ha

3,5 ha

2,1 m

0,9 m

33 000 m3

geringer Zulauf aus Quelltöpfen, über Wiesen- und Entwässerungsgräben; Wasserspiegel abhängig vom Grundwasserstand, seit Tieferlegung der Riss weniger Wasser im Lindenweiher

kein Ablauf; sehr selten bei starkem Hochwasser über Wiesengraben in Riss, Donau

Sediment: stark verlandet in den letzten Jahren; schnelle Verlandung seit 1981 bekannt;
2002 Pges 0,5 mg/g TS, Glühverlust 16%

Fauna und Flora: Verlandungsvegetation mit ausgedehntem Rohrkolbenröhricht, Schilf, Großseggen sowie artenreichen Streuwiesen; im Süden Kopfbinsen-Quellmoore (Tuffstein); Bruchwald aus Schwarzerle und Grauweide; unter den Pflanzen 52 Rote-Liste Arten; Biber seit 2010;
2000 Nuphar lutea, Nymphaea alba, Potamogeton pectinatus, Myriophyllum spic. (Fürst); regelmäßig Algenblüten (z.B. Goldalgen, Blaualgen); keine größeren Wasserflöhe;
2007 Nymphaea alba, Schoenopl. (Fürst); Algenblüte (Microcystis aeru.); keine Daphnien;

Fische: Karpfen, Schleie, Rotauge, Rotfeder, Barsch, Hecht, Zander, Ukelei, Aal

Vögel: Vogelschutzgebiet; Stockentenkolonie, sehr viele übernachtende Stare

Pflanzennährstoffe und andere Trophieanzeiger im Jahresdurchschnitt (Oberflächenwasser):


2000*

2001

Trophiestufe

2007

Trophiestufe

anorg. Gesamt-Stickstoff (mg/l)




2,24


Gesamt-PO4-Phosphor (µg/l)

27

41

meso-/eutroph

50

eutroph

Chlorophyll a (µg/l)

20

11

eutroph

14

eutroph

Chlorophyll a - Spitze (µg/l)

27

18

meso-/eutroph

26

eutroph

Sichttiefe (m)

2,4

3,2

meso-/eutroph

2,1

eutroph

* nur 6 Messungen

Trophiestufe: 2001 meso- bis eutroph, e1; 2007 eutroph, e1

 

Veränderungen in den letzten Jahren: Nährstoffkonzentrationen im Zulauf weiterhin gering; da jedoch Trophie im Gewässer gegenüber früher noch etwas verschlechtert, muss entweder in der Vergangenheit (vor 2000) eine entsprechende Deponierung im Schlamm stattgefunden haben, oder die Nährstoffe gelangen mehr oder weniger diffus aus dem direkten Umfeld in den Weiher (Drainagen, Abwasser). Letzteres ist sehr wahrscheinlich (hierfür sprechen auch die höheren P-Werte im Weiher Anfang Sommer)

 

 

Vorschläge zur Sanierung/Restaurierung

– Aufstellen von WCs für die Badegäste

– Extensivierung kritischer landwirtschaftlich genutzter Flächen, Verschluss von Entwässerungsgräben

– Umsetzung des Pflegeplans des RP Tü (früher BNL; 1992); regelmäßige Schilfmahd zur Verlangsamung der Verlandung; Schilfmahd mit Mähboot

– wg geringer Wasserzufuhr nur schwer ablassbar; v.a. der Weißfischbestand sollte daher regelmäßig abgefischt werden (zuvor evtl. Fischbestandsuntersuchung); fischereiliches Bewirtschaftungskonzept;

– Ablaufvorrichtung erneuern und Mönch bauen; Winterung, Teilentschlammung

– Verbesserung der Wasserzufuhr; Wiedereinleitung des Wassers aus dem Bereich „Bah“ bei Unteressendorf sowie der ehemaligen Trinkwasserquellen bei Unteressendorf

– Anschütten von kleinem Damm (ca. 20 m) am Burggraben und Scharbener Tobel zur Verhinderung des Versickerns von Wasser im Sommer; Einbau durch Angelverein denkbar

– Anhebung des Grundwasserspiegels im Ablaufbereich; Wiederanstau der Riss bei Steinenfurtmühle z.B. durch rauhe Rampe; hierdurch würde ein Teil der Wiesen wiedervernässen, der Weiher hätte deutlich mehr Wasser

– in den Riedwiesen von Unteressendorf ca. 500 m nördlich des Lindenweihers befinden sich 3 stark Wasser führende Wasserläufe, die ihr Wasser zur Riß hin ableiten; diese Gräben wurden von der Flurbereinigung angelegt und erhalten ihr Wasser aus dem Grundwasser des Rißtales (gute Wasserqualität); hier könnte evtl. Wasser durch Anbringen eines „Widders“ in den Lindenweiher gepumpt werden

 

 

Umsetzung / Maßnahmen

Landwirtschaft

– 2000 Extensivierungsplanung für die landw. genutzten Flächen im EZG (Trautmann)

– Beratung der Landwirte im Hinblick auf eine Verminderung der Nährstoffausträge aus den landwirtschaftlich genutzten Flächen

– extensivierte Flächen:

Jahr

Hektar

Kosten

Jahr

Hektar

Kosten

Jahr

Hektar

Kosten

2000

2,2

1220,- DM

2004

3,4


2008

2,2


2001

2,2


2005

3,4


2009

2,2


2002

2,2

622,- €

2006

3,4

1 040,- €

2010

2,2


2003

3,4


2007

3,4

940,- €

2011

2,2



Renaturierung

– Pflegeplan des RP Tü (früher BNL) wird umgesetzt

– alle paar Jahre wurde im Herbst mit Mähboot ein 20 m breiter Schilfstreifen zur offenen Wasserfläche hin unter Wasser abgemäht; teilweise Schilfmahd auch an Land

– 2001 Gewässerentwicklungsplan durch Büro Senner, Überlingen

– ab 2004 sollen Teile des GEP umgesetzt werden

– seit 2005 wird für das NATURA 2000-Gebiet ein Pflege- und Entwicklungskonzept entworfen (Senner)

Sonstiges

– im Sommer immer wieder Einschränkung der Badenutzung wegen zu hoher Keimbelastung

– 2004 fischereiliches Bewirtschaftungskonzept (Phillipson)

– 2005 Fischbestandskontrolle im Auftrag des RP TÜ (Phillipson); seit 2008 erneute Fischbestandskontrolle geplant

– 2010 Maßnahmenvorschläge des SOS an die Gemeinde und das RP Tü

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