Luftbild (© Luftbildagentur Frank Hofmann), Tiefenkarte und Ausschnitt topografische Karte (das hydrologische Einzugsgebiet von Großem und Kleinem Ursee ist rot umrandet)

Großer Ursee

Seit 2000 im SOS

Stadt Isny, Lk. RV TK 8226

am Einzugsgebiet zusätzlich beteiligt: Leutkirch

Schutzstatus: NSG („Taufach-Fetzachmoos mit Urseen“; seit 1982; 315 ha), FFH, §32-Biotop

Eigentümer: privat; nicht verpachtet

Landwirtschaftliche Struktur im Einzugsgebiet (Stand 2003):

Wald

landw. Nutzfläche

davon: Grünland

davon: Ackerland

davon: Sonderkulturen

15 %

70 %

100 %

Untersuchungen am Großen Ursee:

untersucht von

Zeitraum

Gegenstand

unters. von

Zeitraum

Gegenstand

ISF (Roßnecht, 1992)

1987

Limnologie

Fürst

2008

Limnologie

Fürst

2000 (7x)

Limnologie

Fürst

2001

Limnologie

Literatur: Bauer 1975, BNL-Tübingen, Göttlich (1973), Konold 1987, Kuon 1983 LfU 1994, Pfadenhauer 1985, Prinzinger 1991/99, Roscher 1989, Roßknecht 1992, Roweck 1986/88

Entstehung/Umgebung: Toteisloch am Innenrand der äußeren Jungendmoräne; umgeben von Taufach-Fetzachmoos (Moorgebiet; NSG); die ursprünglich starken Höhenunterschiede im Gelände wurden durch den wachsenden Moorkörper nivelliert; Bergkiefernhochmoor; entlang des Fetzach-Grabens Niedermoorgürtel; Hoch- und Niedermoor bilden mit den ehemaligen Torfstichen ein eng verzahntes, sehr abwechslungsreiches Gebiet mit zahlreichen seltenen Tier- und Pflanzenarten;

Bewirtschaftung: extensive Angelfischerei auf Hechte; zumindest seit 1980 kein Besatz

Hydrologische Daten: Im 17. Jhd. Abfluss aufgestaut zum Fetzachweiher; zeitweise so hoch, dass er zur Eschach und Argen entwässern konnte. 1856 abgelassen. 1933 zum Schutz von Leutkirch vor Eschach-Hochwasser Gebiet des ehem. Fetzachweihers als Rückhaltebecken eingerichtet; über Flutkanal wurde Eschachwasser dem Moor zugeführt; gleichzeitig die Entwässerung des Gebietes verstärkt, so dass sich der Wasserabfluss aus dem Moor in hochwasserfreien Zeiten um 25 % erhöhte.
1996 Bau von großem Rückhaltebecken (1,3 Mill.m3), das sich bei Eschach-Hochwasser füllt (ab 10 m3), und anschließend das Wasser wieder an Eschach abgibt oder versickern lässt. Nur in seltenen Fällen (rechnerisch alle 7 J.) gelangt seither Eschachwasser noch ins Moorgebiet. So im Mai 1999 und im August 2002 (ges. Taufach-Fetzach-Moos überstaut, alles huminstoffreiche Wasser weg; chemisch für Gr. Ursee nicht negativ, da Eschachwasser (nach erster Welle) P-ärmer und Sauerstoff-reicher ist);
Der Ursee ist geschichtet.

EZG

Wasserfläche

max. Tiefe

mittlere Tiefe

Volumen

(95 kl.U + 208) 303 ha

19,4 ha

9,8 m

4,4 m

859 000 m3

Zulauf z.T. unterirdisch, aus ca. 20 Entwässerungsgräben im W u. S (+ 2 Fischweiher), einem Bach aus Beuren (Gießbächle) sowie aus dem Kleinen Ursee

Ablauf über den Fetzachgraben in die Eschach, Iller, Donau

Sediment: Anfang der 1970er große Untersuchung des Untergrundes durch viele Bohrungen auf verschiedenen Achsen quer durchs Moor; 2000 Pges 1,1 mg/g TS, Glühverlust 53 %;

 

Flora und Fauna: größerer Bestand an Edelkrebsen, da Aal fehlt; seit 2000 Biber; seit Mitte der 1970er Jahre regelmäßige Algenblüten (Blaualgen); 1999 Oscillatoria;

2000 Nuphar lutea, Nuphar pumila (Fürst); keine größeren Wasserflöhe;

2008 Nuphar lutea, Nuphar pumila (Bolender);

2008 Aphanizomenon, Oscillatoria rub., Goldalge Chrysochromulina; viele Daphnien (D. cucullata) (Fürst);

Fische: Brachse, Rotauge, Rotfeder, Schleie, Karpfen, Barsch, Hecht

Vögel: Baumfalke, Wespenbussard, Bekassine, Haubentaucher, Raubwürger

Nach Ornika, 17. Jahrgang 05 (Fetzach-Taufach-Moos): Haubentaucher, Kormoran, Graureiher, Krickente, Reiherente, Blässralle, Teichralle, Bekassine, Teichrohrsänger, Sumpfrohrsänger

2001 im Sommer ab 2,5 m anaerob, starke P-Zunahme im Tiefenwasser bis 323 µg P/l;

2008 Phosphor schon am Jahresanfang recht hoch; im Sommer Sauerstoff bis Grund (2 mg/l); Nährstoffzunahme am Grund (333 µg TP/l und 0,87 mg NH4/l); massive Algenblüten, so im Juni mit 105 µg Chlorophyll a bei 0,4 m Sichttiefe

 

Pflanzennährstoffe und andere Trophieanzeiger im Jahresdurchschnitt:

2000

2001

Trophiestufe

2008

Trophiestufe

anorg. Gesamt-Stickstoff (mg/l)

0,47

0,49

Gesamt-PO4-Phosphor (µg/l)

93

75

eutroph

78

eutroph

Chlorophyll a (µg/l)

39

40

eutroph

63

hoch eutroph

Chlorophyll a - Spitze (µg/l)

70

61

eutroph

105

hoch eutroph

Sichttiefe * (m)

0,7

0,6

eu-/hypertroph

0,6

eu-/hypertroph

* durch Huminstoffe eingeschränkt; 2000 nur Oberfläche 69µgTP/l, 2001 58µgTP/l, 2008 66µgTP/l

Trophiestufe: 2000 und 2001 eutroph, e2 / 2008 polytroph, p1

 

Veränderungen in den letzten Jahrzehnten: vom dystrophen Braunwassersee zum eutrophen Gewässer; der eutrophierende Einfluss des nährstoffreichen Zulaufs sowie zeitweiligem Einstau von Eschachwasser zeigt sich zum einen in den regelmäßigen Algenblüten, zum anderen in der großflächigen Ausbreitung eines Schilfröhrichts, das die ufernahen Großseggenriede und Pfeifengraswiesen heute weitgehend überwachsen hat

 

Nährstoffkonzentrationen im Zulauf des großen Ursees (Gießbächle):

2001

2008

Nitrat-Stickstoff (mg/l)

1,8

anorg. Gesamt-Stickstoff (mg/l)

1,9

o-PO4-Phosphor (µg/l)

68

52

Gesamt-PO4-Phosphor (µg/l)

122

91

Wasserführung (l/sec)

35

39

2008 im Zulauf erhöhte Nährstoffkonzentrationen v.a. im März (124 TP/l) und April (166 TP/l); möglicherweise bedingen diese Nährstoffeinträge das bereits am Jahresanfang recht hohe P-Niveau im See; im April erhöhte P-Konzentrationen bei hoher Wasserführung (103 o-P/l, 166 TP/l bei 188 l/sec), aber auch bei Trockenwetter zu hohe Konzentrationen; Belastung im Zulauf steigt erst ab Michlebaindt bzw. Lettelesmühle deutlich an

 

Belastungsquellen

– früher intensive Abtorfung

– früher Zufuhr von Eschachwasser zusammen mit Sedimenten und Nährstoffen (2000 bei Hochwasser 157 µg/l Gesamtphosphor)

– Missen, ein Einzelgehöft, Unter-u. Oberspießwangen, Lettelesmühle, Michlebaindt, Hedrazhofen, Lengertshofen, Teile von Beuren im EZG;
Missen, Michlebaindt, Hedrazhofen, Unterspießwangen angeschlossen (Stand 00)

– Ursee-Zulauf bekommt von seitlich (Michlebaindt) eventuell Abwasser (2004);

– zwischen intensiv genutztem Grünland und kaum genutzten Großseggenrieden liegen Feuchtwiesen, die meist in die intensive Nutzung mit einbezogen werden; die Entwässerungsgräben kommen v.a. aus landwirtschaftlich genutzten Flächen

– nicht-genehmigter Badebetrieb (NSG!), Schäden jedoch gering

 

Vorschläge zur Sanierung/Restaurierung

– zentraler Abwasseranschluss; Beseitigung der punktuellen Nährstoffeinträge

– Extensivierung kritischer landwirtschaftlich genutzter Flächen

– Entnahme von Drainagen

– Umsetzung des Pflegeplans des RP Tü

– Pufferstreifen an den Gräben, keine Räumung, Renaturierung des Zulaufs

– Fernhalten von Eschach-Hochwasser

– Einrichtung einer Tiefenwasserableitung

 

Umsetzung / Maßnahmen

Abwasser

– 2001 bis auf 5 Einzelgehöfte alles angeschlossen; 2004 die restlichen mit Ablauf in Güllegrube

Landwirtschaft

– 2000 Extensivierungsplanung für die landw. genutzten Flächen im EZG (Trautmann)

– Beratung der Landwirte im Hinblick auf eine Verminderung der Nährstoffausträge aus den landwirtschaftlich genutzten Flächen

– Bau von Güllegruben

– extensivierte Flächen:

Jahr

Hektar

Kosten

Jahr

Hektar

Kosten

Jahr

Hektar

Kosten

2000

7,0

4190,- DM

2004

8,4

2008

10,5

2001

8,1

2005

8,4

2009

10,5

2002

7,0

2 140,- €

2006

12,1

4340,- €

2010

10,5

2003

8,3

2007

6,1

2290,- €

2011

10,5

Renaturierung

– die Pflegemaßnahmen des RP Tü werden durchgeführt

– seit 2000 kommt im Taufach-Fetzach-Moos der Biber vor; hin und wieder Probleme durch höhere Wasserstände wg. Dammbauten

– 2004 Gewässerentwicklungsplan durch Bolender/Fürst, Biberach

Sonstiges

– 1996 Bau eines großen Rückhaltebeckens, welches das Eschachwasser bei Hochwasser aufnimmt (s.o.)

– 2000 Ausbaggerung des Ablaufgrabens zum schnelleren Abfluss nach Starkregen; hierdurch soll ein Rückstau in kleinen Ursee verhindert werden;

– 2001 limnologische Untersuchungen der Urseen unter Einbeziehung der Eschach mit Sanierungsvorschlägen (Fürst)

– für das gesamte Gebiet des Taufach-Fetzach-Mooses wird derzeit vom RP Tü eine neue Pflegekonzeption erarbeitet

– 2004 Suche nach Eintragsquelle bei Michlebaindt

– seit 2006 liegt die Planung einer TWA vor (Rettinger und Büro Wasser-Müller)

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